Der neue Ausbildungsjahrgang ist gerade gestartet, und in vielen Betrieben in Mainz und Rheinhessen sitzen dieses Jahr Auszubildende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Im Betrieb klappt die Verständigung oft erstaunlich gut, mit Händen, Füßen und Kollegen, die aushelfen. Dann kommt der erste Berufsschulblock, die erste Klassenarbeit, das erste Berichtsheft, und plötzlich wird es schwierig. Ein Deutschkurs für Auszubildende kann den Unterschied machen zwischen Abbruch und Abschluss. Wie Betriebe die Sprache ihrer Azubis fördern können, auch ohne eigene Akademie, zeigen wir hier.
Warum Alltagsdeutsch in der Ausbildung nicht reicht
Viele junge Menschen, die zugewandert sind, sprechen im Alltag schon ordentlich Deutsch. In der Ausbildung kommen aber ganz neue Anforderungen dazu:
- Fachsprache: Ob „Toleranz“, „Leitungsschutzschalter“ oder „Wareneingangsprüfung“, jeder Beruf hat Hunderte Fachbegriffe.
- Schriftsprache: Berichtsheft, Klassenarbeiten und Prüfungen sind schriftlich. Wer mündlich gut zurechtkommt, scheitert oft an langen Aufgabentexten.
- Prüfungsdeutsch: Prüfungsaufgaben sind verdichtet, mit Verneinungen, Fachbegriffen und verschachtelten Sätzen. Hier geht es oft weniger um Fachwissen als um Leseverständnis.
- Sicherheit: Sicherheitsunterweisungen, Gefahrenhinweise und Betriebsanweisungen müssen verstanden werden, nicht nur unterschrieben.
Unsere Beobachtung aus vielen Gesprächen mit Ausbildern: Die meisten Probleme zeigen sich nicht in der Werkstatt, sondern in der Berufsschule und bei der Zwischenprüfung. Wer dann erst reagiert, verliert wertvolle Zeit.
Deutschkurs für Auszubildende: Welche Wege gibt es?
Es muss nicht immer gleich ein teurer Einzelkurs sein. Bewährt haben sich mehrere Bausteine, die sich gut kombinieren lassen:
| Angebot | Wie es funktioniert | Gut für |
|---|---|---|
| Öffentlich geförderte Sprachkurse | Berufsbezogene Deutschkurse, die über BAMF, Agentur für Arbeit oder Jobcenter laufen | Systematischen Aufbau, oft kostengünstig oder kostenlos |
| Ausbildungsbegleitende Unterstützung | Förderangebote der Agentur für Arbeit, z. B. Nachhilfe in Fachtheorie und Sprache | Azubis mit Schwierigkeiten in der Berufsschule |
| Kurs beim externen Anbieter | Abend- oder Wochenendkurse, auch online | Flexibilität, gezielte Vorbereitung auf ein Niveau |
| Inhouse-Unterricht | Lehrkraft kommt in den Betrieb, mehrere Azubis zusammen | Betriebe mit mehreren Azubis, starker Praxisbezug |
| Sprachpatenschaft im Betrieb | Ein Kollege oder eine Kollegin übt regelmäßig mit dem Azubi | Fachwortschatz, Integration ins Team |
Welche geförderten Kurse für Ihre Auszubildenden infrage kommen, hängt vom Aufenthaltsstatus, vom Sprachniveau und von der persönlichen Situation ab. Die Agentur für Arbeit, das Jobcenter und die Kammern beraten dazu. Ein Anruf lohnt sich, bevor Sie selbst einen Kurs bezahlen.
Was der Betrieb selbst tun kann
Auch ohne externen Kurs können Sie viel bewegen, oft mit wenig Aufwand:
- Sprachstand ehrlich einschätzen: Gleich zu Beginn klären, wo der Azubi steht. Ein anerkanntes Zertifikat oder ein kurzer Einstufungstest helfen mehr als „der spricht doch ganz gut“.
- Fachwortliste führen: Neue Begriffe aus dem Arbeitstag notieren lassen, mit Erklärung und Bild. Das wird nach und nach zum persönlichen Fachwörterbuch.
- Berichtsheft als Schreibtraining nutzen: Gemeinsam durchgehen, nicht nur abzeichnen. Fünf Minuten Feedback pro Woche wirken Wunder.
- Einfache Sprache in Unterweisungen: Kurze Sätze, Bilder, Vormachen und Nachmachen lassen. Davon profitieren übrigens alle.
- Lernzeit ermöglichen: Wenn möglich, Kurszeiten als Arbeitszeit anrechnen oder Dienstpläne anpassen. Ein Kurs nach einer Zehn-Stunden-Schicht bringt wenig.
- Prüfungsaufgaben üben: Alte Prüfungsaufgaben gemeinsam lesen und klären, was eigentlich gefragt ist.
Ein Wort zu Sprachpaten
Sprachpatenschaften funktionieren dann gut, wenn sie geplant sind: feste Zeit, klare Aufgabe, und ein Pate, der Lust darauf hat. „Frag halt den Kollegen“ ist keine Patenschaft. Und auch der beste Pate ersetzt keinen systematischen Kurs, er ergänzt ihn.
Welches Sprachniveau ist realistisch?
Für eine duale Ausbildung wird häufig ein Niveau um B1 als Einstieg empfohlen, für die Berufsschule und Prüfungen ist B2 deutlich entspannter. Das ist eine Faustregel, keine feste Vorgabe. In Berufen mit viel Kundenkontakt oder Dokumentation, etwa in der Pflege, im Büro oder im Handel, sind die Anforderungen eher höher. Einige Berufe und Anerkennungsverfahren verlangen außerdem ein bestimmtes Niveau mit Zertifikat.
- A2: einfache Alltagssituationen, für die Ausbildung meist zu wenig
- B1: selbstständige Verständigung, guter Startpunkt mit begleitender Förderung
- B2: sichere Verständigung auch in fachlichen Gesprächen, gute Basis für Berufsschule und Prüfung
Zertifikate: Warum sie sich lohnen
Ein anerkanntes Sprachzertifikat ist mehr als ein Stück Papier. Für den Azubi ist es ein messbares Ziel und ein Erfolgserlebnis. Für den Betrieb ist es eine verlässliche Einschätzung. Und für spätere Schritte, etwa Aufenthaltsfragen, Weiterbildungen oder Bewerbungen, ist es ein Nachweis, den Behörden und Arbeitgeber kennen. Berufsbezogene Prüfungen wie telc Deutsch B1·B2 Beruf oder die speziellen Prüfungen für die Pflege prüfen genau die Sprache, die im Arbeitsalltag gebraucht wird.
Wer bezahlt den Kurs?
Das ist eine der häufigsten Fragen. Geförderte Kurse sind für Teilnehmende oft kostenlos oder sehr günstig. Bezahlt der Betrieb einen Kurs selbst, ist das in der Regel eine betriebliche Fortbildungsausgabe. Vorsicht bei Rückzahlungsvereinbarungen: Das Berufsbildungsgesetz setzt Vereinbarungen, nach denen Auszubildende für ihre Ausbildung bezahlen sollen, enge Grenzen. Lassen Sie sich im Zweifel von Ihrer Kammer beraten, bevor Sie so etwas in einen Vertrag schreiben.
Unser Fazit
Sprachförderung ist eine der günstigsten Maßnahmen gegen Ausbildungsabbrüche. Wer früh den Sprachstand klärt, Förderangebote nutzt und im Betrieb ein paar einfache Routinen einführt, erhöht die Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss deutlich. Und am Ende haben Sie eine Fachkraft, die Sie selbst ausgebildet haben.
Wir helfen Ihnen gerne
Ihre Auszubildenden brauchen einen anerkannten Nachweis ihrer Deutschkenntnisse oder ein klares Ziel für die Sprachförderung? Die VAkademie ist telc-Prüfungszentrum in Mainz und bietet Deutschprüfungen von A1 bis C2 an, auch berufsbezogen und für die Pflege. Rufen Sie uns an: 06131 144928-0.
Herzliche Grüße aus Mainz




