Es ist August, draußen sind es 34 Grad, und im Abstellraum neben der Teeküche summt der Serverschrank etwas lauter als sonst. Die Lüfter drehen hoch, die Tür ist warm, und irgendwann piept die USV. Jeden Sommer bekommen wir genau solche Anrufe. Die Kühlung im Serverschrank ist in kleinen Unternehmen oft ein Thema, an das niemand denkt, bis es zu spät ist. In diesem Beitrag zeigen wir, wie warm es werden darf, woran Sie Probleme erkennen und welche Lösungen es gibt, vom kostenlosen Sofort-Tipp bis zur Klimaanlage.
Wie warm darf es im Serverschrank werden?
Server, Switches und Speichersysteme sind robuster, als viele denken. Als Richtwert hat sich die Empfehlung des amerikanischen Fachverbands ASHRAE etabliert, an der sich auch viele Hersteller orientieren: Die Ansaugtemperatur der Geräte sollte im Bereich von etwa 18 bis 27 Grad liegen. Kurzzeitig vertragen die meisten Geräte auch deutlich mehr, aber dauerhafte Hitze verkürzt die Lebensdauer, besonders von Festplatten, Netzteilen und USV-Akkus.
Wichtig ist, wo Sie messen. Entscheidend ist die Luft, die die Geräte vorne ansaugen, nicht die Luft, die hinten herauskommt. Hinten sind 40 Grad und mehr völlig normal.
| Ansaugtemperatur | Bewertung |
|---|---|
| bis ca. 27 °C | Alles im grünen Bereich |
| ca. 27 bis 32 °C | Beobachten, Ursache suchen, Maßnahmen planen |
| über ca. 32 °C | Handlungsbedarf, Gefahr von Ausfällen und Notabschaltungen |
Die genauen Grenzwerte stehen in den Datenblättern Ihrer Geräte. Ein Blick hinein lohnt sich, vor allem bei älteren Speichersystemen.
Warnsignale: So merken Sie, dass es zu heiß wird
- Die Lüfter sind deutlich lauter als im Winter.
- Server oder Speichersystem melden Temperaturwarnungen, oft per E-Mail, die niemand liest.
- Die USV meldet Akkuprobleme. Hitze ist der größte Feind von Bleiakkus.
- Geräte starten sporadisch neu oder werden langsam, weil Prozessoren ihre Leistung drosseln.
- Festplatten fallen gehäuft aus.
Sofortmaßnahmen, die nichts kosten
Bevor Sie über Klimageräte nachdenken, prüfen Sie diese Punkte. Erstaunlich oft liegt die Lösung schon hier:
- Luftwege freimachen: Kartons, Ordner und alte Monitore vor oder hinter dem Schrank wegräumen.
- Blindabdeckungen einsetzen: Offene Höheneinheiten im Rack lassen warme Abluft nach vorne zurückströmen. Blenden kosten wenig und wirken.
- Kabel ordnen: Ein dichter Kabelvorhang hinter den Geräten wirkt wie eine Wand gegen die Abluft.
- Tür-Frage klären: Bei geschlossenen Schränken ohne aktive Lüftung kann es helfen, die Rücktür offen zu lassen, wenn der Raum abschließbar ist.
- Staub entfernen: Verstopfte Lüftungsgitter und Filtermatten lassen kaum noch Luft durch.
- Unnötige Geräte abschalten: Der alte Server, „den wir vielleicht noch brauchen“, produziert vor allem Wärme.
Wie viel Wärme macht Ihre Technik eigentlich?
Für die Planung hilft eine einfache Faustregel: Praktisch der gesamte Strom, den Ihre IT verbraucht, wird im Raum zu Wärme. Zieht der Schrank also dauerhaft 1.000 Watt, heizt er den Raum mit etwa 1.000 Watt, rund um die Uhr. Das entspricht einem kleinen Heizlüfter, der nie ausgeht. Den Verbrauch können Sie an der USV ablesen oder mit einem Messgerät an der Steckdosenleiste ermitteln. Mit diesem Wert lässt sich jede Kühllösung sauber dimensionieren, statt nach Gefühl zu kaufen.
Kühlung im Serverschrank: Die Lösungen im Vergleich
Reichen die Sofortmaßnahmen nicht, gibt es mehrere Wege. Welcher passt, hängt von der Wärmelast, dem Raum und dem Budget ab:
| Lösung | Wann sinnvoll | Zu beachten |
|---|---|---|
| Dachlüfter oder Lüftereinschub | Kleine Wärmelast, Raum selbst ist kühl genug | Bewegt nur Luft, kühlt nicht unter Raumtemperatur |
| Raumlüftung nach außen | Kleiner Technikraum ohne Fenster | Hilft nur, wenn die Außenluft kühler ist, im Hochsommer begrenzt |
| Split-Klimaanlage im Raum | Eigener Serverraum, mittlere Wärmelast | Auf Dauerbetrieb und Wiederanlauf nach Stromausfall auslegen, Kondenswasser bedenken |
| Schrank-Kühlgerät oder klimatisierter Schrank | Server steht im Büro oder Lager, kein eigener Raum | Geschlossenes System, Abwärme muss trotzdem irgendwohin |
| Auslagern in ein Rechenzentrum oder die Cloud | Wenn ohnehin eine Erneuerung ansteht | Internetanbindung und Datenschutz prüfen |
Von mobilen Klimageräten mit Abluftschlauch halten wir für den Dauerbetrieb wenig. Sie sind laut, oft nicht für den Rund-um-die-Uhr-Betrieb gedacht und laufen nach einem Stromausfall häufig nicht von selbst wieder an. Als Notlösung für ein paar Tage: ja. Als Konzept: nein.
Ein häufiger Planungsfehler
Eine Klimaanlage im Serverraum muss auch dann laufen, wenn niemand da ist: nachts, am Wochenende und in den Betriebsferien. Viele Komfortklimageräte haben Zeitschaltungen oder Energiesparmodi, die genau dann zuschlagen. Außerdem sollte das Gerät nach einem Stromausfall automatisch wieder starten. Sonst überlebt der Server den Stromausfall dank USV, kocht dann aber langsam weiter.
Überwachen statt hoffen
Die beste Kühlung nützt wenig, wenn niemand merkt, dass sie ausgefallen ist. Ein Temperatursensor im Schrank, der bei Überschreitung eine E-Mail oder SMS schickt, kostet wenig und ist Gold wert. Viele Server, USV-Anlagen und Speichersysteme haben die Sensoren schon eingebaut. Es fehlt nur die Benachrichtigung an jemanden, der auch reagiert. Legen Sie fest, wer im Urlaub zuständig ist.
Checkliste für den Sommer
- Ansaugtemperatur vorne im Schrank gemessen
- Luftwege frei, Blindabdeckungen gesetzt
- Lüfter und Filter gereinigt
- Temperaturalarm eingerichtet und getestet
- Zuständigkeit für Alarme auch in der Urlaubszeit geklärt
- USV-Akkus geprüft
- Datensicherung aktuell, für den Fall der Fälle
Wir helfen Ihnen gerne
Ihr Serverschrank kommt im Sommer ins Schwitzen, oder Sie möchten wissen, ob sich eine Klimatisierung lohnt oder der Umzug in die Cloud die bessere Lösung ist? Das IT-Team der Mittelstandsoptimierer schaut sich Ihre Situation vor Ort in Mainz und Umgebung an. Rufen Sie uns an: 06131 144928-0.
Herzliche Grüße aus Mainz




