Fotograf werden 2022: Lohnt sich der Einstieg noch?


„Ich würde gern Fotograf werden. Lohnt sich das noch?“ Diese Frage hören wir in letzter Zeit öfter, und zwar nicht nur von jungen Leuten. Gerade die letzten zwei Jahre haben viele dazu gebracht, über ihren Beruf nachzudenken, und die Kamera, die im Lockdown zum liebsten Hobby wurde, liegt verführerisch im Regal. Weil wir im Marketing ständig mit Fotografinnen und Fotografen zusammenarbeiten und auch selbst fotografieren, versuchen wir eine ehrliche Antwort. Kurz gesagt: Ja, man kann 2022 Fotograf werden und davon leben. Aber nicht mit Hobby-Denken.

Der Markt: Bilder gibt es mehr denn je

Noch nie wurden so viele Fotos gemacht wie heute, fast alle davon mit dem Smartphone. Für einfache Aufgaben brauchen viele Firmen und Privatleute keinen Profi mehr. Dazu kommen Bilddatenbanken, die für wenig Geld ordentliche Standardmotive liefern. Wer also nur „schöne Bilder“ verkaufen will, hat es schwer.

Gleichzeitig steigt der Bedarf an guten, eigenen Bildern. Websites, Social Media, Stellenanzeigen, Onlineshops: Unternehmen merken, dass austauschbare Stockfotos ihnen nicht helfen. Authentische Mitarbeiterfotos, Produktbilder, Reportagen aus dem Betrieb oder kurze Videoclips werden stärker nachgefragt. Genau hier liegen die Chancen.

Ein Wort zu Corona: Hochzeiten, Firmenfeiern und Events sind in den letzten zwei Jahren massenhaft ausgefallen oder verschoben worden. Wer sich ausschließlich darauf verlassen hat, hat gelitten. Ein zweites Standbein ist daher keine schlechte Idee.

Fotograf werden: Welche Wege gibt es?

Weg Dauer Für wen geeignet
Duale Ausbildung zum Fotografen bzw. zur Fotografin in der Regel 3 Jahre Für Einsteiger, die das Handwerk von Grund auf lernen wollen, inklusive Licht, Technik und Bildbearbeitung
Studium Fotografie oder Fotodesign mehrere Jahre Für alle mit künstlerischem oder gestalterischem Anspruch
Quereinstieg individuell Für Menschen mit Vorerfahrung, gutem Portfolio und Bereitschaft, sich das Unternehmerische selbst beizubringen

Das Fotografenhandwerk ist in Deutschland zulassungsfrei. Sie brauchen also keinen Meisterbrief, um sich selbstständig zu machen. Eine Ausbildung schadet trotzdem nicht: Kunden fragen gerade bei größeren Aufträgen nach Referenzen und Erfahrung, und eine fundierte Ausbildung spart viele teure Fehler.

Die Formalitäten für die Selbstständigkeit

  • Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt Ihrer Stadt
  • Eintragung bei der Handwerkskammer in das Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke
  • Finanzamt: steuerliche Erfassung, Entscheidung über die Kleinunternehmerregelung (aktuell bis 22.000 Euro Umsatz im Vorjahr und voraussichtlich höchstens 50.000 Euro im laufenden Jahr)
  • Versicherungen: Berufshaftpflicht, Absicherung der Ausrüstung, Krankenversicherung
  • Künstlersozialkasse: Wer überwiegend künstlerisch arbeitet, kann unter Umständen dort versichert werden. Das prüft die Künstlersozialkasse im Einzelfall
  • Verträge und Bildrechte: klare Regelungen zu Nutzungsrechten, Model-Releases und Datenschutz bei Personenfotos

Was kostet der Einstieg?

Die Ausrüstung ist meist nicht der größte Posten, auch wenn sie am meisten Spaß macht. Natürlich brauchen Sie eine zuverlässige Kamera, gute Objektive, Blitz- oder Dauerlicht, Speicherkarten, einen leistungsfähigen Rechner und Software. Unterschätzt werden aber andere Kosten:

  • Datensicherung: Kundenfotos gehören doppelt gesichert, an zwei Orten
  • Website und Portfolio
  • Steuerberatung und Buchhaltung
  • Versicherungen und Altersvorsorge
  • Fahrtkosten und ggf. Studiomiete
  • Zeit für Akquise, Angebote, Bildbearbeitung und Verwaltung, die niemand direkt bezahlt

Eine Faustregel aus Gesprächen mit Fotografen: Für jede Stunde, die Sie hinter der Kamera stehen, kommt mindestens die gleiche Zeit für Bearbeitung und Organisation dazu. Wer seine Preise nur nach der Aufnahmezeit kalkuliert, arbeitet schnell unter Mindestlohn.

Spezialisierung: der wichtigste Erfolgsfaktor

Die erfolgreichsten Fotografen, die wir kennen, sind keine Allrounder. Sie haben eine klare Nische und sind darin die erste Adresse in ihrer Region. Mögliche Spezialisierungen mit Nachfrage:

  • Business- und Mitarbeiterporträts für Websites und Karriereseiten
  • Produkt- und Packshot-Fotografie für Onlineshops
  • Architektur- und Immobilienfotografie
  • Reportage- und Unternehmensfotografie, auch mit kurzen Videos
  • Food-Fotografie für Gastronomie und Hersteller

Video sollten Sie dabei mitdenken. Viele Kunden fragen heute nach Fotos und kurzen Clips aus einer Hand.

Die ersten Kunden finden

Der schwierigste Teil ist selten das Fotografieren, sondern der Weg zu zahlenden Kunden. Was in der Praxis funktioniert:

  1. Netzwerk nutzen: Erzählen Sie in Ihrem Umfeld, was Sie anbieten, und zwar konkret: „Ich fotografiere Teams für Karriereseiten“ bleibt besser hängen als „Ich bin jetzt Fotograf“.
  2. Kooperationen: Webdesigner, Werbeagenturen, Makler oder Hochzeitsplaner brauchen regelmäßig Fotografen. Eine gute Partnerschaft bringt oft mehr als jede Anzeige.
  3. Lokal sichtbar werden: Ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil mit echten Arbeitsbeispielen und Bewertungen hilft enorm.
  4. Referenzprojekte gezielt aufbauen: Lieber zwei starke Projekte in Ihrer Nische zum fairen Einstiegspreis als zwanzig Gratis-Shootings ohne Bezug zur Zielgruppe.

Checkliste: Sind Sie bereit?

  • Sie haben ein Portfolio, das zu Ihrer Wunsch-Zielgruppe passt, nicht nur Urlaubsbilder
  • Sie kennen Ihre Kosten und haben einen realistischen Stundensatz berechnet
  • Sie haben finanzielle Rücklagen für die ersten Monate
  • Sie mögen auch Akquise, Verhandlung und Buchhaltung, oder holen sich Hilfe dafür
  • Sie haben eine Idee, wie Kunden Sie finden: Website, Empfehlungen, Kooperationen

Unsere ehrliche Einschätzung

Fotograf werden lohnt sich 2022 für alle, die das Fotografieren als Handwerk und als Unternehmen verstehen. Wer zuverlässig liefert, eine Nische besetzt und Unternehmen bei ihrem Marketing wirklich weiterhilft, findet Kunden. Wer dagegen hofft, dass eine teure Kamera allein Aufträge bringt, wird enttäuscht. Ein sanfter Einstieg im Nebenerwerb ist für viele ein guter Weg, um den Markt zu testen, bevor der sichere Job gekündigt wird.

Wir helfen Ihnen gerne

Sie starten als Fotografin oder Fotograf und brauchen eine Website, die Ihr Portfolio gut zeigt und bei Google gefunden wird? Das Marketing-Team der Mittelstandsoptimierer unterstützt Gründer bei Website, Positionierung und den ersten Marketingschritten. Mehr unter www.mittelstandsoptimierer.de oder telefonisch unter 06131 144928-0.

Herzliche Grüße aus Mainz

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