Seit einem Jahr verkaufen viele Händler und Manufakturen deutlich mehr online als je zuvor. Und mit jedem neuen Produkt im Shop kommt die Frage: Woher bekommen wir gute Fotos? Ein professionelles Fotostudio ist nicht immer drin, und mancher Fotograf hat gerade ohnehin wenig Termine frei. Die gute Nachricht: Produktfotografie zuhause auf dem Küchentisch kann erstaunlich gute Ergebnisse liefern. Wir haben selbst lange genug Produkte für Kunden fotografiert, um zu wissen, worauf es ankommt. Spoiler: Es ist nicht die Kamera.
Das Wichtigste zuerst: Licht
Gute Produktfotos stehen und fallen mit dem Licht. Ein teures Kameragehäuse mit schlechtem Licht verliert gegen ein Smartphone mit gutem Licht. Und das beste Licht, das Sie kostenlos haben, kommt durchs Fenster.
- Großes Fenster, keine direkte Sonne: Ideal ist ein Fenster nach Norden oder ein bewölkter Tag. Direkte Sonne erzeugt harte Schatten.
- Seitlich stellen: Das Produkt steht seitlich zum Fenster, nicht davor und nicht mit dem Rücken dazu.
- Licht weich machen: Scheint doch die Sonne, hilft ein dünner weißer Vorhang oder Backpapier vor dem Fenster als Diffusor.
- Schatten aufhellen: Auf der fensterabgewandten Seite ein weißer Karton oder eine Styroporplatte als Reflektor. Der Unterschied ist verblüffend.
- Deckenlicht aus: Mischlicht aus Fenster und Glühbirne sorgt für Farbstiche.
Die Ausrüstung: weniger, als Sie denken
| Ausrüstung | Muss | Kann | Tipp |
|---|---|---|---|
| Kamera | aktuelles Smartphone | Systemkamera mit Makro-Objektiv | Linse vorher putzen, wirklich |
| Stativ | ja | mit Smartphone-Halterung | einheitliche Perspektive für alle Produkte |
| Hintergrund | weißer Fotokarton, gebogen als Hohlkehle | Hintergrundrolle, Lichtzelt | Karton nicht knicken, sondern biegen |
| Reflektor | weißer Karton | Faltreflektor | für Schmuck auch schwarzer Karton |
| Kleinkram | Klebeband, Knetmasse, Mikrofasertuch | Handschuhe aus Baumwolle | Knetmasse hält Ringe aufrecht |
Eine Hohlkehle ist schnell gebaut: Ein großer weißer Fotokarton wird an der Wand oder an einem Stapel Bücher befestigt und läuft in einer sanften Kurve auf den Tisch. So gibt es keine sichtbare Kante zwischen Hintergrund und Unterlage.
Produktfotografie zuhause in sieben Schritten
- Produkt vorbereiten: Staub, Fingerabdrücke und Etiketten entfernen. Was Sie jetzt übersehen, müssen Sie später mühsam wegretuschieren.
- Aufbau: Hohlkehle seitlich zum Fenster, Reflektor gegenüber.
- Smartphone aufs Stativ: Freihand-Fotos werden schief und unscharf, und jedes Bild hat eine andere Perspektive.
- Nicht digital zoomen: Gehen Sie lieber näher heran oder nutzen Sie die Tele-Linse, falls Ihr Smartphone eine hat. Digitaler Zoom kostet Qualität.
- Fokus und Belichtung festlegen: Auf dem Display auf das Produkt tippen und gedrückt halten, dann die Helligkeit leicht nach oben ziehen. Weiße Hintergründe werden sonst grau.
- Mehrere Ansichten: Vorderseite, Rückseite, Detail, Größenvergleich, Produkt in Benutzung.
- Bearbeiten: Zuschneiden, gerade ausrichten, Helligkeit und Weißabgleich korrigieren. Kostenlose Apps reichen dafür völlig aus.
Freisteller oder Stimmungsbild?
Für Online-Shops und Marktplätze sind Bilder vor rein weißem Hintergrund oft Standard; Amazon verlangt das für das Hauptbild sogar ausdrücklich. Für Social Media und Ihre eigene Website funktionieren Stimmungsbilder meist besser: die Tasse auf dem Frühstückstisch, der Schal über der Stuhllehne. Planen Sie also beide Varianten ein. Holz, Leinen, Marmor-Optik-Folie oder ein schönes Brett aus der Küche machen gute Untergründe für Stimmungsbilder.
Bildbearbeitung: Weniger ist mehr
Gerade bei Produktfotos gilt: Die Bearbeitung soll das Produkt zeigen, wie es ist, nicht wie es gern wäre. Starke Filter und übertriebene Sättigung führen zu enttäuschten Kunden und im schlimmsten Fall zu Retouren, weil die Farbe in echt anders aussieht. Korrigieren Sie Helligkeit, Kontrast und Weißabgleich, schneiden Sie einheitlich zu und entfernen Sie Staubkörner. Für Shop-Bilder bewährt sich ein quadratisches Format, weil es auf den meisten Plattformen und auf dem Smartphone gut funktioniert. Speichern Sie die Originale ab, damit Sie später andere Zuschnitte erstellen können, etwa für Banner oder Social Media.
Ein kleiner Profi-Trick: Legen Sie ein weißes Blatt Papier mit ins erste Bild einer Serie. Daran können Sie später den Weißabgleich für alle Bilder einheitlich einstellen.
Die häufigsten Fehler
- Blitz eingeschaltet: Harte Reflexe, platte Wirkung. Blitz aus.
- Gelbstich: Mischlicht oder falscher Weißabgleich. Deckenlicht aus, bei der Bearbeitung nachkorrigieren.
- Uneinheitliche Bilder: Jedes Produkt mit anderem Hintergrund und anderer Perspektive wirkt im Shop unruhig. Notieren Sie Ihren Aufbau und halten Sie ihn bei.
- Spiegelungen: Bei Glas, Metall und Schmuck spiegelt sich alles, auch Sie. Ein großes weißes Tuch hinter der Kamera und schwarze Kartons an den Seiten helfen.
- Zu kleine Dateien: Shops und Marktplätze wünschen sich große Bilder, damit Kunden zoomen können.
Wann sich der Profi trotzdem lohnt
Ehrlich gesagt: Für Glas, Chrom, sehr kleine Teile oder aufwendige Inszenierungen kommt der Küchentisch an seine Grenzen. Auch Bilder mit Models oder große Mengen an Produkten in kurzer Zeit sind ein Fall für ein Studio. Für einen Handwerksbetrieb mit zwanzig Produkten oder eine kleine Manufaktur reichen die Tipps oben aber in den meisten Fällen völlig aus. Und es macht, wenn man den Dreh einmal raus hat, sogar richtig Spaß.
Wir helfen Ihnen gerne
Sie haben jetzt schöne Bilder, aber noch keinen Shop, oder der Shop braucht eine Auffrischung? Das Marketing-Team der Mittelstandsoptimierer unterstützt Sie bei Website, Online-Shop und Social Media, und wenn es doch einmal professionelle Fotos sein sollen, finden wir eine Lösung. Rufen Sie uns an: 06131 144928-0.
Herzliche Grüße aus Mainz




