Viele Gewerbedächer in Mainz und Umgebung sind groß, flach und ungenutzt. Gleichzeitig zahlen die Betriebe darunter für ihren Strom deutlich mehr als vor ein paar Jahren. Eine Photovoltaikanlage drängt sich da auf. Die entscheidende Frage für die Wirtschaftlichkeit ist aber nicht, wie viel Strom die Anlage erzeugt, sondern wie viel davon Sie selbst nutzen. Denn beim Photovoltaik-Eigenverbrauch im Gewerbe liegt das eigentliche Geld. Wie Sie ihn realistisch berechnen und gezielt erhöhen, zeigen wir in diesem Beitrag.
Warum Eigenverbrauch so wichtig ist
Für Strom, den Sie ins Netz einspeisen, bekommen Sie eine Einspeisevergütung oder einen Erlös aus der Direktvermarktung. Für Strom, den Sie selbst verbrauchen, sparen Sie den Strombezug, also Ihren Arbeitspreis inklusive Netzentgelten, Abgaben und Steuern. Bei Gewerbekunden liegt der Bezugspreis in aller Regel deutlich über dem, was eine Einspeisung bringt. Jede selbst genutzte Kilowattstunde ist also mehr wert als eine eingespeiste.
Zwei Kennzahlen, die oft verwechselt werden
| Kennzahl | Formel | Was sie aussagt |
|---|---|---|
| Eigenverbrauchsquote | selbst genutzter PV-Strom ÷ gesamte PV-Erzeugung | Wie viel Prozent meines Solarstroms nutze ich selbst? |
| Autarkiegrad | selbst genutzter PV-Strom ÷ gesamter Stromverbrauch | Wie viel Prozent meines Bedarfs deckt die Anlage? |
Ein Beispiel macht den Unterschied klar: Eine sehr kleine Anlage auf einem großen Betrieb hat eine Eigenverbrauchsquote von fast 100 Prozent, weil jede Kilowattstunde sofort verbraucht wird, aber einen niedrigen Autarkiegrad. Eine sehr große Anlage auf einem kleinen Betrieb ist genau umgekehrt. Für die Wirtschaftlichkeit ist vor allem die Eigenverbrauchsquote entscheidend.
Photovoltaik-Eigenverbrauch im Gewerbe berechnen: Schritt für Schritt
- Verbrauch kennen: Jahresverbrauch aus der Stromrechnung. Besser noch: der Lastgang, also der Verbrauch im Viertelstundentakt. Betriebe mit registrierender Leistungsmessung, das ist bei einem Jahresverbrauch ab 100.000 kWh üblich, bekommen diese Daten von ihrem Netzbetreiber oder Lieferanten.
- Erzeugung abschätzen: Aus Dachfläche, Ausrichtung, Neigung und Verschattung ergibt sich die mögliche Leistung in Kilowatt-Peak (kWp) und der erwartete Jahresertrag. In unserer Region werden pro kWp häufig grob 900 bis 1.000 kWh im Jahr angesetzt, eine Planung vor Ort ersetzt das aber nicht.
- Gleichzeitigkeit prüfen: Entscheidend ist, ob Sie dann Strom brauchen, wenn die Sonne scheint. Legen Sie Erzeugungsprofil und Lastgang übereinander.
- Eigenverbrauch berechnen: In jeder Viertelstunde zählt der kleinere Wert aus Erzeugung und Verbrauch als Eigenverbrauch. Aufsummiert über das Jahr ergibt das Ihren Eigenverbrauch.
- Wirtschaftlichkeit rechnen: Eigenverbrauch mal Bezugspreis plus Einspeisung mal Vergütung, minus Kosten für Wartung, Versicherung und Finanzierung.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel
Die folgenden Zahlen sind reine Annahmen zur Veranschaulichung, keine Angebote und keine Marktpreise. Ihre eigenen Werte können deutlich abweichen.
| Annahme | Wert |
|---|---|
| Anlagengröße | 50 kWp |
| Jahresertrag (Annahme 950 kWh/kWp) | 47.500 kWh |
| Eigenverbrauchsquote (Bürobetrieb werktags) | 60 % |
| Eigenverbrauch | 28.500 kWh |
| Einspeisung | 19.000 kWh |
Mit Ihrem tatsächlichen Strompreis und der für Ihre Anlage geltenden Vergütung multipliziert, sehen Sie sofort, welcher Teil der Ersparnis aus dem Eigenverbrauch kommt. In fast allen Fällen ist es der größere.
Welche Betriebe besonders gut passen
- Gut: Betriebe mit hohem Tagesverbrauch an Werktagen, etwa Produktion, Werkstätten mit Maschinen, Kühlung im Lebensmittelbereich, Büros mit Klimaanlagen, Betriebe mit Elektrofahrzeugen.
- Schwieriger: Betriebe mit Verbrauch vor allem abends, nachts oder am Wochenende, etwa Gastronomie mit Abendbetrieb.
- Zu bedenken: Wochenenden und Betriebsferien. In diesen Zeiten wird der Strom überwiegend eingespeist.
So erhöhen Sie den Eigenverbrauch
- Verbraucher verschieben: Waschmaschinen, Spülmaschinen, Kompressoren oder Ladevorgänge in die Mittagszeit legen.
- Elektromobilität: Dienstwagen und Firmenfahrzeuge tagsüber auf dem Hof laden.
- Wärme und Kälte: Wärmepumpen, Warmwasserbereitung und Kühlung können als Puffer dienen.
- Batteriespeicher: Verschiebt Solarstrom in den Abend. Lohnt sich nicht immer, eine Simulation mit Ihrem Lastgang zeigt es.
- Energiemanagement: Ein System, das Verbraucher automatisch zuschaltet, wenn Überschuss da ist.
Typische Fehler bei der Planung
- Nur mit dem Jahresverbrauch rechnen: Ohne Blick auf die Tageszeiten wird der Eigenverbrauch oft deutlich überschätzt.
- Dach und Statik vergessen: Gerade ältere Hallendächer müssen auf ihre Tragfähigkeit geprüft werden. Steht in den nächsten Jahren eine Dachsanierung an, gehört sie vor die PV-Anlage.
- Zählerschrank unterschätzen: Ältere Zähler- und Verteileranlagen müssen häufig angepasst werden. Das kostet Zeit und Geld und sollte von Anfang an eingeplant sein.
- Künftige Verbraucher ignorieren: Wenn Elektroautos, eine Wärmepumpe oder neue Maschinen geplant sind, steigt der Eigenverbrauch. Dann darf die Anlage auch größer ausfallen.
- Wartung nicht einplanen: Auch eine PV-Anlage braucht regelmäßige Kontrolle, und als elektrische Anlage im Betrieb gehört sie in die Prüfplanung.
Rahmenbedingungen im Blick behalten
Die Regeln für Photovoltaik ändern sich gerade häufig. Mit dem EEG 2023 ist unter anderem die EEG-Umlage weggefallen, die früher auch auf selbst verbrauchten Strom anfallen konnte. Im Bundestag wird derzeit das sogenannte Solarpaket I beraten, das weitere Erleichterungen bringen soll. Was genau beschlossen wird, ist noch offen. Ab einer bestimmten Anlagengröße kommen außerdem Pflichten wie die Direktvermarktung hinzu. Lassen Sie sich bei der Planung zeigen, welche Regeln für Ihre Anlagengröße gelten, und sprechen Sie mit Ihrem Steuerbüro über die steuerliche Seite.
Wir helfen Ihnen gerne
Sie überlegen, Ihr Gewerbedach mit Photovoltaik zu nutzen, und möchten den Eigenverbrauch realistisch berechnen, auch mit Speicher und Lademanagement? Elektro-Sorglos plant und installiert PV-Anlagen und Speicher für Gewerbebetriebe in Mainz und Umgebung. Rufen Sie uns an: 06131 144928-0.
Herzliche Grüße aus Mainz




