Seit die Strompreise durch die Decke gehen, hören wir in fast jedem Kundengespräch irgendwann den Satz: „Ich hab mir zu Hause so ein Balkonkraftwerk bestellt. Geht das eigentlich auch fürs Büro?“ Die kurze Antwort: Ja, grundsätzlich schon. Ein Balkonkraftwerk im Gewerbe unterliegt im Kern denselben Regeln wie im Privathaushalt. Es gibt aber ein paar Punkte, die Sie kennen sollten, bevor Sie das Paket auspacken. Stand dieses Beitrags ist September 2022. Bei Normen und Anmeldung ist gerade viel in Bewegung.
Was ist ein Balkonkraftwerk?
Gemeint sind kleine, steckerfertige Solaranlagen, meist mit ein oder zwei Modulen und einem kleinen Wechselrichter. Der erzeugte Strom wird über eine Steckdose ins Hausnetz eingespeist und dort direkt von den laufenden Geräten verbraucht. Was gerade nicht gebraucht wird, fließt ins öffentliche Netz, in der Regel ohne Vergütung.
Der Charme: Keine aufwendige Installation, überschaubare Kosten und ein sofort spürbarer Beitrag zum eigenen Verbrauch. Im Büro passt das Prinzip sogar besonders gut, denn dort wird vor allem tagsüber Strom verbraucht.
Balkonkraftwerk im Gewerbe: Was ist erlaubt?
Leistungsgrenze
Für steckerfertige Anlagen gilt derzeit eine Grenze von 600 Watt Wechselrichterleistung. Bis zu dieser Grenze ist ein vereinfachtes Anmeldeverfahren beim Netzbetreiber vorgesehen. Größere Anlagen sind kein Balkonkraftwerk mehr und brauchen eine reguläre Installation durch einen Elektrofachbetrieb.
Anmeldung
- Netzbetreiber: Die Anlage muss beim örtlichen Netzbetreiber angemeldet werden. Viele Netzbetreiber bieten dafür vereinfachte Formulare an.
- Marktstammdatenregister: Zusätzlich ist eine Registrierung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur Pflicht, egal wie klein die Anlage ist.
Für Unternehmen gelten hier keine anderen Regeln als für Privatleute. Die Anmeldung erfolgt eben auf die Firma.
Der Stromzähler
Ältere Zähler mit Drehscheibe ohne Rücklaufsperre können rückwärts laufen, wenn mehr Strom eingespeist als verbraucht wird. Das ist nicht zulässig. Der Netzbetreiber tauscht in solchen Fällen den Zähler, meist gegen einen modernen Zähler, der beide Richtungen getrennt erfasst. In vielen Büros mit Grundlast tagsüber kommt Einspeisung zwar selten vor, die Anmeldung klärt das Thema aber in jedem Fall.
Stecker und Steckdose
Hier wird es technisch und auch etwas umstritten. Nach den einschlägigen Normen wird eine spezielle Einspeisesteckdose empfohlen. Viele Geräte werden aber mit normalem Schutzkontaktstecker geliefert, und darüber wird in Fachkreisen seit Langem diskutiert. Unser Rat für Betriebe: Lassen Sie den Stromkreis, an den das Gerät angeschlossen wird, von einer Elektrofachkraft prüfen. Gerade in älteren Gebäuden ist das ohnehin sinnvoll.
Besonderheiten im Büro
| Thema | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|
| Gemietete Räume | Ohne Zustimmung des Vermieters keine Montage an Fassade, Balkon oder Dach. Am besten schriftlich vereinbaren. |
| Montage | Module müssen sturmsicher befestigt sein. Ein abstürzendes Modul ist ein ernstes Haftungsrisiko. |
| Versicherung | Bei der Betriebshaftpflicht- und Gebäudeversicherung nachfragen, ob die Anlage gemeldet werden muss. |
| Brandschutz und Fluchtwege | Module, Kabel und Wechselrichter dürfen keine Rettungswege behindern. |
| Buchhaltung | Die Anlage ist ein Wirtschaftsgut des Unternehmens. Fragen Sie Ihre Steuerberatung, wie sie zu behandeln ist. |
| Prüfung | Die Anlage gehört wie andere elektrische Betriebsmittel in Ihre regelmäßigen Prüfungen. |
Rechnet sich das?
Ein Balkonkraftwerk wird Ihre Stromrechnung nicht halbieren. Wie viel es bringt, hängt stark von Ausrichtung, Neigung und Verschattung ab. Eine gut ausgerichtete Anlage mit 600 Watt kann in unserer Region grob einige hundert Kilowattstunden pro Jahr erzeugen, bei ungünstiger Lage deutlich weniger.
Eine Beispielrechnung mit Annahmen: Erzeugt die Anlage 400 Kilowattstunden im Jahr und wird fast alles im Büro direkt verbraucht, spart das bei einem angenommenen Strompreis von 35 Cent pro Kilowattstunde rund 140 Euro im Jahr. Je nach Anschaffungspreis hat sich die Anlage damit nach einigen Jahren bezahlt gemacht.
Ein Vorteil im Büro: Router, Server, Kühlschrank, Telefonanlage und Rechner laufen tagsüber, die Grundlast ist meist höher als in einer Wohnung. Ein Nachteil: Am Wochenende und im Urlaub wird wenig verbraucht. Dann fließt der Strom ohne Vergütung ins Netz.
Tipps für den maximalen Eigenverbrauch
Weil eingespeister Strom nichts einbringt, lohnt es sich, den Verbrauch etwas in die Sonnenstunden zu legen:
- Laptops, E-Bikes und Akkugeräte tagsüber laden, nicht über Nacht
- Spülmaschine in der Teeküche um die Mittagszeit laufen lassen
- Große Druckaufträge, Datensicherungen oder Updates, wenn möglich, tagsüber einplanen
- Mit einem einfachen Messgerät prüfen, wie hoch Ihre Grundlast tatsächlich ist
Liegt Ihre Grundlast tagsüber dauerhaft über der Leistung der Anlage, wird praktisch jede erzeugte Kilowattstunde selbst genutzt. Das ist der Idealfall.
Checkliste: Balkonkraftwerk am Büro
- Zustimmung des Vermieters bzw. Eigentümers eingeholt
- Geeigneter Montageort mit möglichst wenig Verschattung gefunden
- Wechselrichter mit höchstens 600 Watt und passenden Nachweisen gewählt
- Stromkreis und Steckdose von einer Elektrofachkraft geprüft
- Anmeldung beim Netzbetreiber erledigt
- Eintrag im Marktstammdatenregister vorgenommen
- Versicherung informiert
- Sichere, sturmfeste Befestigung
Unsere ehrliche Einschätzung
Ein Balkonkraftwerk am Büro ist eine schöne, sichtbare Maßnahme und ein guter Einstieg ins Thema Solarstrom. Es senkt die Stromkosten ein wenig, zeigt Mitarbeitenden und Kunden, dass Ihnen das Thema wichtig ist, und macht Lust auf mehr. Wer ein eigenes Dach hat, sollte aber auch über eine richtige Photovoltaikanlage nachdenken. Die bringt ein Vielfaches. Und: Die Nachfrage ist riesig. Rechnen Sie mit Lieferzeiten, und kaufen Sie bei seriösen Händlern.
Wir helfen Ihnen gerne
Das Team der Mittelstandsoptimierer berät Sie beim Stromsparen im Büro, prüft, wie viel Grundlast Ihre IT tatsächlich hat, und hilft bei der Entscheidung, ob Balkonkraftwerk oder größere Anlage für Sie sinnvoller ist. Mehr unter www.mittelstandsoptimierer.de oder telefonisch unter 06131 144928-0.
Herzliche Grüße aus Mainz




