Cyberangriffe und Ukraine-Krieg: Was das BSI kleinen Firmen rät


Seit dem 24. Februar herrscht Krieg in Europa. Neben dem unermesslichen menschlichen Leid wirft das auch für Unternehmen hierzulande Fragen auf, und eine davon erreicht uns gerade fast täglich: Müssen wir uns jetzt mehr Sorgen um Cyberangriffe machen? Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) spricht von einer erhöhten Bedrohungslage für Deutschland und ruft Unternehmen und Organisationen auf, ihre IT-Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und zu verstärken. Was bedeutet das konkret für den Cyberangriff-Schutz in KMU, also für den Handwerksbetrieb, die Steuerkanzlei oder den Onlinehändler um die Ecke?

Wie realistisch ist die Gefahr für kleine Firmen?

Ehrlich gesagt: Ein gezielter staatlicher Angriff auf eine Mainzer Schreinerei ist unwahrscheinlich. Die Gefahr liegt woanders. Erstens werden in solchen Konflikten Schadprogramme eingesetzt, die sich unkontrolliert verbreiten können und dann auch Unbeteiligte treffen. In der Ukraine wurde bereits Schadsoftware beobachtet, die Daten nicht verschlüsselt, sondern schlicht zerstört. Zweitens nutzen Kriminelle jede Krise für sich, etwa mit gefälschten Spendenaufrufen oder Mails, die angebliche Informationen zum Krieg enthalten. Drittens können Angriffe auf Dienstleister, Lieferketten oder Infrastruktur auch kleine Betriebe indirekt treffen.

Wichtig ist uns: Kein Grund zur Panik, aber ein sehr guter Anlass, die Hausaufgaben zu machen, die ohnehin auf der Liste stehen.

Cyberangriff-Schutz für KMU: die wichtigsten Maßnahmen

Die Empfehlungen des BSI richten sich an Organisationen jeder Größe. Wir haben sie für kleine Unternehmen in eine Reihenfolge gebracht, die sich in der Praxis bewährt hat.

1. Updates sofort einspielen

Bekannte Sicherheitslücken sind der häufigste Einstieg für Angreifer. Prüfen Sie Betriebssysteme, Server, Firewall, Router, VPN-Zugänge und alle Systeme, die aus dem Internet erreichbar sind. Gerade Fernzugänge, die in der Pandemie schnell eingerichtet wurden, sind oft nicht auf dem aktuellen Stand.

2. Datensicherung prüfen, und zwar wirklich

Eine Sicherung, die nie testweise zurückgespielt wurde, ist ein Versprechen, keine Sicherung. Mindestens eine Kopie Ihrer wichtigen Daten sollte offline oder so gespeichert sein, dass ein Angreifer im Netzwerk sie nicht löschen oder verschlüsseln kann. Testen Sie diese Woche eine Wiederherstellung.

3. Zugänge absichern

  • Zwei-Faktor-Anmeldung für E-Mail, Cloud-Dienste und Fernzugänge aktivieren
  • Nicht mehr benötigte Benutzerkonten deaktivieren, etwa von ehemaligen Mitarbeitenden oder Dienstleistern
  • Administratorrechte auf das Nötigste beschränken
  • Standardpasswörter an Geräten (Router, Kameras, Drucker) ändern

4. Angriffsfläche verkleinern

Welche Ihrer Systeme sind aus dem Internet erreichbar? Häufig finden wir offene Fernwartungszugänge, freigegebene Speicherlaufwerke oder Verwaltungsoberflächen, die niemand mehr braucht. Alles, was nicht erreichbar sein muss, wird abgeschaltet.

5. Mitarbeitende sensibilisieren

Informieren Sie Ihr Team aktiv über Phishing-Mails mit Kriegsbezug, gefälschte Spendenseiten und Anrufe angeblicher Dienstleister. Ein kurzer Hinweis im Teammeeting reicht. Spenden sollten nur über bekannte, seriöse Organisationen laufen, deren Adresse man selbst im Browser eintippt.

6. Notfallplan griffbereit haben

Was tun Sie, wenn morgen früh alle Bildschirme eine Lösegeldforderung zeigen? Wer muss angerufen werden? Wo liegt die Telefonnummer Ihres IT-Dienstleisters, wenn der Rechner nicht funktioniert? Ein Notfallplan auf Papier, eine Seite, kann im Ernstfall Stunden sparen.

Checkliste: diese Woche erledigen

Maßnahme Wer? Erledigt
Alle verfügbaren Sicherheitsupdates eingespielt IT ☐
Offline-Sicherung vorhanden und Wiederherstellung getestet IT ☐
Zwei-Faktor-Anmeldung für Mail, Cloud und VPN aktiv IT ☐
Alte Benutzerkonten und Zugänge entfernt IT / Personal ☐
Liste aller aus dem Internet erreichbaren Systeme erstellt IT ☐
Team über aktuelle Phishing-Maschen informiert Geschäftsführung ☐
Notfallplan mit Telefonnummern ausgedruckt Geschäftsführung ☐
Wichtige Dienstleister nach ihren Schutzmaßnahmen gefragt Geschäftsführung ☐

Nicht vergessen: Abhängigkeiten

Viele kleine Firmen sind heute stark von externen Diensten abhängig: Cloud-Software, Onlinebanking, Zahlungsdienstleister, Hosting. Fragen Sie sich: Was passiert, wenn einer dieser Dienste für einige Tage ausfällt? Können Sie Rechnungen schreiben, Kunden erreichen, Aufträge annehmen? Oft reichen einfache Vorkehrungen, etwa eine ausgedruckte Kundenliste, ein zweiter Internetzugang über Mobilfunk oder eine Offline-Kopie wichtiger Vorlagen.

Woher Sie verlässliche Informationen bekommen

In Krisenzeiten kursieren viele Gerüchte. Verlassen Sie sich auf seriöse Quellen: Das BSI veröffentlicht auf seiner Website laufend Hinweise und bietet für Unternehmen Informationen und Warnmeldungen an. Auch Ihre IHK oder Handwerkskammer informiert ihre Mitglieder. Meldungen aus sozialen Netzwerken sollten Sie mit Vorsicht genießen und im Zweifel bei Fachleuten nachfragen.

Häufige Fragen aus den letzten Tagen

Sollen wir vorsorglich alle Systeme vom Internet trennen?

Nein. Das legt Ihren Betrieb lahm, ohne dass es nötig ist. Sinnvoll ist, gezielt alles abzuschalten, was nicht gebraucht wird, und den Rest gut abzusichern.

Hilft eine Cyberversicherung?

Sie kann finanzielle Folgen abfedern und bietet oft Zugang zu Notfallhelfern. Sie ersetzt aber keine Schutzmaßnahmen. Lesen Sie die Bedingungen genau: Viele Versicherer setzen bestimmte Mindeststandards voraus, etwa aktuelle Updates und funktionierende Datensicherungen. Klären Sie auch, ob Kriegsereignisse in den Bedingungen ausgeschlossen sind.

Was, wenn wir Geschäftspartner in der Region haben?

Seien Sie bei E-Mails mit Anhängen oder geänderten Kontodaten besonders aufmerksam und bestätigen Sie Ungewöhnliches telefonisch.

Unser Fazit

Die aktuelle Lage verändert die Grundregeln der IT-Sicherheit nicht, sie macht sie nur dringlicher. Updates, gute Datensicherungen, sichere Zugänge, aufmerksame Mitarbeitende und ein Plan für den Ernstfall: Wer das im Griff hat, ist auch in unruhigen Zeiten gut aufgestellt. Wer es bisher vor sich hergeschoben hat, sollte jetzt anfangen. Nicht nächsten Monat.

Wir helfen Ihnen gerne

Das IT-Team der Mittelstandsoptimierer überprüft kurzfristig Ihre Updates, Sicherungen und Zugänge und erstellt mit Ihnen einen einfachen Notfallplan. Mehr unter www.mittelstandsoptimierer.de oder telefonisch unter 06131 144928-0.

Herzliche Grüße aus Mainz

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