Meltdown und Spectre: Was die Prozessorlücken für Ihre Firma bedeuten


Das neue Jahr war noch keine Woche alt, da hatte die IT-Welt ihr erstes großes Thema: Meltdown und Spectre. Seit dem 3. Januar berichten Fachpresse und Tagesnachrichten über Sicherheitslücken, die nicht in einer bestimmten Software stecken, sondern in der Art, wie moderne Prozessoren arbeiten. Bei uns in Mainz klingelt seitdem regelmäßig das Telefon: Was bedeuten Meltdown und Spectre für Unternehmen, und müssen wir jetzt alle Rechner wegwerfen? Die kurze Antwort: Nein. Die etwas längere steht in diesem Beitrag.

Was steckt hinter Meltdown und Spectre?

Moderne Prozessoren sind auf Tempo getrimmt. Um keine Zeit zu verlieren, rechnen sie Befehle schon „auf Verdacht“ voraus, bevor feststeht, ob das Ergebnis überhaupt gebraucht wird. Wird es nicht gebraucht, wirft der Prozessor es weg. Das Problem: Spuren dieser Vorausberechnung bleiben im Zwischenspeicher (Cache) zurück, und aus diesen Spuren lassen sich mit einigem Geschick Daten rekonstruieren, die ein Programm eigentlich nie hätte sehen dürfen, etwa Passwörter oder Schlüssel aus dem Speicher anderer Programme oder des Betriebssystems.

  • Meltdown betrifft vor allem Intel-Prozessoren der letzten Jahre und erlaubt es einem normalen Programm, Speicher des Betriebssystems auszulesen.
  • Spectre ist eine ganze Gruppe von Angriffsvarianten, die Prozessoren mehrerer Hersteller betrifft, darunter Intel, AMD und ARM. Spectre ist schwerer auszunutzen, aber auch deutlich schwerer vollständig zu beheben.

Wichtig für die Einordnung: Ein Angreifer muss für beide Lücken zunächst eigenen Code auf dem Rechner ausführen können. Das kann ein Schadprogramm sein, aber auch präpariertes JavaScript auf einer Webseite. Deshalb stehen neben den Betriebssystemen auch die Browser im Fokus.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Für den typischen Mittelständler mit ein paar Dutzend Arbeitsplätzen, einem Server und vielleicht ein paar Diensten in der Cloud gilt: Die Lücken sind ernst, aber kein Grund zur Panik. Uns sind bisher keine breit gestreuten Angriffe bekannt, die Meltdown oder Spectre ausnutzen. Das kann sich ändern, sobald Kriminelle die veröffentlichten Forschungsergebnisse in Werkzeuge gießen. Genau deshalb sollten Sie jetzt in Ruhe, aber zügig handeln.

Besonders aufmerksam sollten Sie sein, wenn

  • auf Ihren Servern mehrere virtuelle Maschinen oder Kunden nebeneinander laufen (Virtualisierung, Terminalserver),
  • Sie Rechenleistung bei einem Hoster oder in der Cloud gemietet haben,
  • Mitarbeiter viel im Internet unterwegs sind und ältere Browser nutzen.

Die Updates: Was es gibt und worauf Sie achten müssen

Die Hersteller haben in den vergangenen Tagen in bemerkenswertem Tempo reagiert. Allerdings besteht der Schutz aus mehreren Schichten, und nicht jede Schicht ist schon überall verfügbar.

Ebene Was zu tun ist Stand Anfang Januar
Betriebssystem Sicherheitsupdates von Microsoft, Apple und für Linux einspielen Für die gängigen Systeme größtenteils verfügbar
Browser Firefox, Chrome, Edge, Safari aktuell halten Erste Schutzmaßnahmen ausgeliefert oder angekündigt
Firmware/BIOS Updates der Rechner- und Mainboard-Hersteller (Microcode) einspielen Kommen nach und nach, je nach Hersteller und Modell
Virtualisierung Updates für Hypervisor und Gastsysteme Je nach Produkt, Herstellerhinweise beachten
Cloud/Hosting Beim Anbieter nachfragen, ob Hosts gepatcht sind Große Anbieter melden laufende Updates

Achtung beim Windows-Update und Virenscanner

Ein Stolperstein betrifft Windows-Rechner: Microsoft verteilt das Sicherheitsupdate nur, wenn der installierte Virenscanner signalisiert, dass er damit kompatibel ist. Manche ältere Schutzprogramme greifen so tief ins System ein, dass es sonst zu Abstürzen kommen könnte. Wenn ein Rechner das Update also scheinbar „nicht bekommt“, liegt es oft am Virenscanner. Prüfen Sie, ob Ihr Hersteller bereits ein passendes Update geliefert hat.

Und die Leistung?

Ein Teil der Schutzmaßnahmen kostet Rechenzeit. Wie viel, hängt stark von der Art der Last ab. An normalen Büroarbeitsplätzen mit Office, E-Mail und Browser dürfte davon wenig zu spüren sein. Bei Servern mit vielen Datenbankzugriffen oder viel Netzwerk- und Festplattenverkehr sind spürbare Einbußen möglich, gerade auf älterer Hardware. Unser Rat: Patchen Sie trotzdem, beobachten Sie die Auslastung in den nächsten Wochen und planen Sie notfalls Reserven ein. Ein langsamer Server ist ärgerlich, ein ausgelesener Server ist schlimmer.

Checkliste: So gehen Sie jetzt vor

  1. Bestandsaufnahme: Welche Server, PCs, Notebooks und virtuellen Maschinen haben Sie? Ohne Liste wird es schwierig, den Überblick zu behalten.
  2. Virenscanner prüfen: Ist er aktuell und mit den Windows-Updates kompatibel?
  3. Betriebssystem-Updates einspielen, zuerst auf einem Testrechner, dann flächig. Server mit Wartungsfenster und vorherigem Backup.
  4. Browser aktualisieren und automatische Updates aktiviert lassen.
  5. BIOS- und Firmware-Updates beobachten: Auf den Supportseiten Ihrer Hardware-Hersteller nachsehen und Updates einplanen, sobald sie erscheinen.
  6. Dienstleister fragen: Hoster, Cloud-Anbieter und IT-Dienstleister schriftlich um Auskunft bitten, wie sie mit den Lücken umgehen.
  7. Alte Geräte ehrlich bewerten: Für Rechner, die keinen Support mehr bekommen, wird es voraussichtlich keine Firmware-Updates geben. Das ist ein guter Anlass für einen Austauschplan.

Was Sie nicht tun sollten

Lassen Sie sich nicht zu Schnellschüssen hinreißen. Neue Hardware ohne die Lücken gibt es derzeit schlicht noch nicht zu kaufen, weil die Prozessorgenerationen der letzten Jahre fast alle betroffen sind. Ein hektischer Austausch bringt also nichts. Ebenso wenig sollten Sie Updates aus Angst vor Leistungsverlust zurückhalten. Und seien Sie misstrauisch bei E-Mails, die angeblich „dringende Meltdown-Patches“ im Anhang mitschicken: Kriminelle nutzen solche Schlagzeilen erfahrungsgemäß sehr schnell für Phishing.

Unser Fazit

Meltdown und Spectre werden uns noch eine Weile beschäftigen, vermutlich über Monate. Für Unternehmen ist das vor allem eine Erinnerung daran, wie wichtig ein geordnetes Update-Management ist. Wer weiß, welche Geräte er hat, Updates regelmäßig einspielt und Backups im Griff hat, kommt auch durch diese Situation ohne großes Drama.

Wir helfen Ihnen gerne

Sie möchten wissen, wo Ihre Systeme stehen, oder suchen jemanden, der die Updates sauber plant und einspielt? Das IT-Team der Mittelstandsoptimierer prüft Ihre Server und Arbeitsplätze und erstellt einen Fahrplan. Rufen Sie uns einfach an: 06131 144928-0.

Herzliche Grüße aus Mainz

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