Es ist Mitte Juni, die ersten heißen Tage sind da, und in vielen Büros passiert dasselbe: Unter dem Schreibtisch taucht ein Ventilator auf, in der Ecke ein mobiles Klimagerät, und weil die Steckdose in der Teeküche schon belegt ist, wird alles an die Steckdosenleiste gehängt, an der bereits Monitor, Laptop, Drucker und Schreibtischlampe hängen. Die Mehrfachsteckdose wird warm, und niemand merkt es. Eine Überlastung der Mehrfachsteckdose gehört zu den häufigsten elektrischen Brandursachen im Büro. Die gute Nachricht: Mit etwas Wissen lässt sich das Risiko fast vollständig vermeiden.
Wie viel verträgt eine Mehrfachsteckdose?
Die meisten Steckdosenleisten sind für 16 Ampere ausgelegt, was bei unserer Netzspannung etwa 3.500 Watt entspricht. Der genaue Wert steht auf der Rückseite oder auf dem Typenschild. Wichtig: Diese Grenze gilt für die ganze Leiste, nicht pro Steckplatz. Und sie gilt auch dann, wenn eine zweite Leiste an die erste gesteckt wird. Alles, was daran hängt, läuft durch denselben Stecker und dasselbe Kabel zur Wandsteckdose.
Typische Verbraucher im Büro
| Gerät | Typische Leistung | Einschätzung |
|---|---|---|
| Laptop-Netzteil, Monitor, Telefon | wenige Dutzend Watt | unkritisch |
| Ventilator | meist unter 100 Watt | unkritisch |
| Laserdrucker | kurzzeitig hohe Spitzen beim Aufheizen | mit Vorsicht |
| Mobiles Klimagerät | häufig um 1.000 Watt | besser an eigene Wandsteckdose |
| Kaffeevollautomat | über 1.000 Watt | an eigene Wandsteckdose |
| Wasserkocher | 2.000 bis 3.000 Watt | an eigene Wandsteckdose |
| Heizlüfter | bis etwa 2.000 Watt | an eigene Wandsteckdose |
Die Faustregel ist einfach: Alles, was heizt oder kühlt, gehört nicht an eine Steckdosenleiste. Ein Wasserkocher und ein Heizlüfter zusammen reichen bereits, um eine typische Leiste an ihre Grenze zu bringen.
Ein kleines Rechenbeispiel
Nehmen wir einen typischen Arbeitsplatz in der Teeküche: Ein Wasserkocher mit 2.200 Watt und eine Kaffeemaschine mit 1.400 Watt hängen an derselben Leiste. Zusammen sind das 3.600 Watt, also schon über der Grenze einer üblichen Leiste, und das ohne Mikrowelle oder Toaster. Solange nur eines der Geräte läuft, passiert nichts. Aber genau um zehn Uhr morgens, wenn alle gleichzeitig Kaffee und Tee wollen, läuft beides. Das ist der Moment, in dem Kontakte heiß werden.
Warnzeichen einer Überlastung
Überlastete oder beschädigte Steckdosenleisten kündigen sich oft an, wenn man genau hinschaut:
- Stecker oder Leiste werden spürbar warm
- Verfärbungen, angeschmolzener Kunststoff oder braune Spuren an den Steckplätzen
- Geruch nach heißem Plastik
- Knistern oder Funken beim Einstecken
- Flackerndes Licht oder Geräte, die kurz ausgehen
- Lockere Stecker, die nicht mehr fest sitzen
- Die Sicherung im Verteiler fliegt immer wieder raus
Wenn Sie eines dieser Zeichen bemerken: Leiste vom Netz nehmen, Verbraucher verteilen und die Leiste austauschen. Bei Verfärbungen an der Wandsteckdose selbst sollte eine Elektrofachkraft nachsehen.
Die häufigsten Fehler
Leisten hintereinanderstecken
Das sogenannte Kaskadieren, also eine Steckdosenleiste in die nächste, ist der Klassiker. Es vervielfacht die Zahl der Verbraucher an einem einzigen Wandanschluss, und jeder zusätzliche Steckkontakt ist eine weitere Stelle, an der Wärme entstehen kann. Lösen Sie das Problem lieber mit einer längeren Leiste oder einer zusätzlichen Wandsteckdose.
Kabeltrommel nicht abgerollt
Eine aufgerollte Kabeltrommel unter Last kann sich so stark erhitzen, dass die Isolierung schmilzt. Bei größeren Verbrauchern immer vollständig abrollen.
Leisten unter Teppich oder hinter Möbeln
Wärme muss abgeführt werden. Eine Leiste unter einem Teppich, in einem Papierstapel oder eingeklemmt hinter dem Schrank kann sich aufheizen, und daneben liegt oft brennbares Material.
Billige Leisten ohne Prüfzeichen
Achten Sie auf ein anerkanntes Prüfzeichen und eine solide Verarbeitung. Bei sehr günstigen Produkten aus unklaren Quellen sind Kontakte und Leitungen manchmal deutlich schwächer ausgelegt, als die Aufschrift verspricht.
Beschädigte Leisten weiterverwenden
Ein gebrochenes Gehäuse, ein geknicktes Kabel oder ein wackeliger Stecker gehören nicht mit Klebeband repariert, sondern ersetzt.
Wenn es doch qualmt
Riecht es verbrannt oder qualmt eine Leiste, ziehen Sie den Stecker der Leiste aus der Wandsteckdose, sofern das gefahrlos möglich ist, oder schalten Sie die Sicherung im Verteiler aus. Löschen Sie elektrische Geräte niemals mit Wasser, solange sie unter Spannung stehen. Für Entstehungsbrände an elektrischen Geräten eignen sich Feuerlöscher, die dafür gekennzeichnet sind. Wenn sich das Feuer nicht sofort löschen lässt: Raum verlassen, Tür schließen, Feuerwehr unter 112 rufen.
Steckdosenleisten und Elektroprüfung
Mehrfachsteckdosen sind ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel und gehören damit zur regelmäßigen Prüfung nach DGUV Vorschrift 3, genau wie Kaffeemaschine und Ventilator. Bei der Prüfung fallen beschädigte Leisten, schlechte Kontakte und kritische Kombinationen oft auf, bevor etwas passiert. Ein guter Prüfer gibt Ihnen auch Hinweise, wo zusätzliche Wandsteckdosen sinnvoll wären.
Checkliste für Ihr Büro
- Alle Steckdosenleisten einmal ansehen: warm, verfärbt, beschädigt?
- Heiz- und Kühlgeräte, Wasserkocher und Kaffeemaschinen direkt an Wandsteckdosen anschließen
- Keine Leisten hintereinanderstecken
- Leisten frei liegend, nicht unter Teppichen oder Papier
- Nur Leisten mit anerkanntem Prüfzeichen verwenden
- Kabeltrommeln bei Last vollständig abrollen
- Geräte über Nacht und am Wochenende abschalten, etwa über eine schaltbare Leiste
- Prüftermine nach DGUV Vorschrift 3 im Blick behalten
Und falls im Hochsommer trotzdem alle Steckdosen belegt sind: Vielleicht ist das ein gutes Argument, beim Vermieter nach ein paar zusätzlichen Wandsteckdosen zu fragen, statt im nächsten Jahr eine dritte Leiste dranzuhängen.
Wir helfen Ihnen gerne
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Herzliche Grüße aus Mainz




