Gestern Mittag ist in Spanien und Portugal fast landesweit der Strom ausgefallen. Die Bilder kennen Sie wahrscheinlich aus den Nachrichten: stehende Züge und U-Bahnen, ausgefallene Ampeln, Menschen vor geschlossenen Geschäften, Kartenzahlung und Mobilfunk vielerorts gestört. Inzwischen ist die Versorgung weitgehend wiederhergestellt, die Ursache wird noch untersucht. Für uns in Mainz ist das ein guter Anlass, eine unbequeme Frage zu stellen: Wie gut ist Ihr Betrieb auf einen Stromausfall vorbereitet? Und gibt es einen Notfallplan für den Stromausfall, oder verlassen Sie sich darauf, dass es schon nicht passieren wird?
Wie wahrscheinlich ist ein Stromausfall bei uns?
Das deutsche Stromnetz gehört im internationalen Vergleich zu den zuverlässigsten. Großflächige, lange Ausfälle sind selten. Lokale Ausfälle passieren aber durchaus: ein Bagger trifft ein Kabel, ein Unwetter beschädigt Leitungen, ein Brand legt ein Umspannwerk lahm, ein Defekt in der eigenen Hausinstallation löst die Hauptsicherung aus. Für Ihren Betrieb macht es wenig Unterschied, ob ganz Europa oder nur Ihr Gewerbegebiet dunkel ist. Die Frage ist immer: Was passiert in den ersten Minuten, in der ersten Stunde, nach einem halben Tag?
Was bei einem Stromausfall im Betrieb alles ausfällt
Viele denken zuerst an Licht und Computer. Die Liste ist aber deutlich länger:
- Server, Netzwerk, Internet und Telefonanlage
- Kassensysteme und Kartenterminals
- Kühlung von Lebensmitteln, Medikamenten oder Proben
- Heizung, Lüftung und Klimatechnik, auch wenn mit Gas oder Öl geheizt wird, denn Pumpen und Steuerung brauchen Strom
- Elektrische Türen, Rolltore, Zutrittskontrollen und Aufzüge
- Alarmanlagen und Videoüberwachung, je nach Ausstattung nur für begrenzte Zeit
- Maschinen und Produktionsanlagen, oft mit Folgen für laufende Prozesse
- Pumpen, etwa Hebeanlagen im Keller
Und wenn der Ausfall großflächig ist, funktionieren auch Mobilfunk, Tankstellen, Geldautomaten und Kartenzahlung bald nicht mehr zuverlässig.
Notfallplan Stromausfall: Die Bausteine
1. Kritische Verbraucher festlegen
Gehen Sie durch Ihren Betrieb und teilen Sie die Verbraucher in drei Gruppen ein: Was muss sofort weiterlaufen? Was muss geordnet heruntergefahren werden? Was kann einfach ausfallen? Diese Liste ist die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.
2. Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV)
Eine USV überbrückt kurze Unterbrechungen und gibt Servern und Netzwerktechnik genug Zeit, sich sauber herunterzufahren. Für einen längeren Weiterbetrieb ist sie nicht gedacht. Wichtig: Die Akkus einer USV altern. Wer sie nie testet, erlebt im Ernstfall möglicherweise, dass die USV nach wenigen Sekunden aufgibt.
3. Notstrom und Ersatzstrom
Für einen längeren Betrieb kommen Notstromaggregate oder ersatzstromfähige Batteriespeicher infrage. Bei einer vorhandenen PV-Anlage ist das besonders interessant. Aber Achtung: Eine normale PV-Anlage schaltet sich bei Netzausfall aus Sicherheitsgründen ab, auch wenn die Sonne scheint. Nur ein entsprechend ausgelegtes System kann im Inselbetrieb weiterversorgen. Und ein Aggregat darf nicht einfach mit einem Stecker in die nächste Steckdose eingespeist werden. Dafür braucht es eine fachgerecht installierte Einspeisemöglichkeit mit Netztrennung.
4. Kommunikation
Wie erreichen Sie Ihre Beschäftigten, wenn Telefonanlage und E-Mail ausfallen? Eine ausgedruckte Telefonliste, ein vereinbarter Treffpunkt und klare Regeln, wer wen informiert, sind einfache, aber wirksame Maßnahmen.
5. Sicherheit und Zutritt
Klären Sie, wie sich elektrische Türen und Tore bei Stromausfall verhalten. Lassen sich Notausgänge öffnen? Gibt es einen mechanischen Schlüssel für die elektrische Schließanlage? Wer kümmert sich darum, dass niemand im Aufzug festsitzt?
6. Wiederanlauf
Wenn der Strom zurückkommt, starten viele Geräte gleichzeitig. Das kann zu Spitzen führen, die Sicherungen auslösen. Legen Sie eine Reihenfolge fest, in der Systeme wieder eingeschaltet werden, und prüfen Sie Kühlgeräte, Server und Maschinen, bevor der normale Betrieb weiterläuft.
Der Praxistest: Einmal den Stecker ziehen
Der beste Notfallplan ist der, den man schon einmal ausprobiert hat. Wir empfehlen, gemeinsam mit einer Elektrofachkraft einen kontrollierten Test durchzuführen, etwa an einem Samstag, wenn wenig los ist. Dabei wird die Stromversorgung gezielt unterbrochen und beobachtet: Springt die USV an? Fahren die Server sauber herunter? Was macht die Alarmanlage? Öffnet das Rolltor noch? Wie lange halten die Kühlgeräte die Temperatur? Und vor allem: Kommt nach dem Wiedereinschalten alles ordentlich zurück? Solche Tests bringen fast immer Überraschungen ans Licht, etwa ein Netzwerkgerät, das nicht an der USV hängt, oder eine Steuerung, die nach dem Neustart manuell quittiert werden muss. Besser, Sie erfahren das an einem ruhigen Samstag als an einem hektischen Montagmorgen.
Checkliste für Ihren Betrieb
| Frage | Erledigt |
|---|---|
| Liste kritischer Verbraucher erstellt | |
| USV für Server und Netzwerk vorhanden und getestet | |
| Server fahren bei Stromausfall automatisch sauber herunter | |
| Notbeleuchtung und Taschenlampen vorhanden | |
| Ausgedruckte Telefonliste und Notfallkontakte | |
| Verhalten von Türen, Toren und Alarmanlage geklärt | |
| Notstrom- oder Ersatzstromlösung geprüft | |
| Reihenfolge für den Wiederanlauf festgelegt | |
| Etwas Bargeld für Notfälle vorhanden | |
| Notfallplan allen Beschäftigten bekannt |
Unsere ehrliche Einschätzung
Nicht jeder Betrieb braucht ein Notstromaggregat. Für ein kleines Büro reichen oft eine USV für die IT, Taschenlampen, eine Telefonliste und ein klarer Plan. Eine Arztpraxis mit Impfstoffkühlschrank, ein Lebensmittelbetrieb oder ein Rechenzentrum brauchen mehr. Entscheidend ist, dass Sie die Frage einmal bewusst durchdacht haben, bevor das Licht ausgeht. Und dass Sie die vorhandene Technik regelmäßig testen.
Wir helfen Ihnen gerne
Sie möchten wissen, was in Ihrem Betrieb bei einem Stromausfall passiert und wie Sie sich sinnvoll absichern? Elektro-Sorglos analysiert Ihre Elektroinstallation, plant USV, Ersatzstrom mit Speicher oder Einspeisepunkte für Notstromaggregate und prüft die vorhandene Technik regelmäßig. Rufen Sie uns an: 06131 144928-0.
Herzliche Grüße aus Mainz




