PV-Anlage warten: Was eine Inspektion bringt


Eine Photovoltaikanlage gilt als wartungsarm, und das stimmt auch. Sie hat keine beweglichen Teile, sie macht keine Geräusche, und solange die App grüne Zahlen zeigt, denkt kaum jemand an sie. Das Problem: Viele Mängel bemerkt man erst, wenn sie Geld kosten oder gefährlich werden. Ein gelockerter Stecker, ein angefressenes Kabel, ein Modul mit Hotspot. Gerade zum Frühjahrsbeginn, wenn die Erträge wieder steigen, ist ein guter Zeitpunkt für die PV-Anlage Wartung. Was eine Inspektion bringt und was dabei geprüft wird, erklären wir hier.

Warum Wartung, wenn die Anlage doch läuft?

Eine PV-Anlage ist Wind, Regen, Schnee, Hitze und Frost ausgesetzt, und das über Jahrzehnte. Dazu kommen Tiere, Verschmutzung und gelegentlich auch Montagefehler, die sich erst nach Jahren zeigen. Typische Folgen ohne regelmäßige Kontrolle:

  • Ertragsverluste: Ein ausgefallener String oder ein defekter Wechselrichter kann wochenlang unbemerkt bleiben, wenn niemand das Monitoring auswertet.
  • Brandrisiko: Schlechte Steckverbindungen und beschädigte Kabel auf der Gleichstromseite können Lichtbögen verursachen.
  • Versicherungsprobleme: Viele Versicherer erwarten eine regelmäßige Prüfung. Im Schadensfall kann es sonst Diskussionen geben.
  • Garantieansprüche: Wer Mängel früh dokumentiert, hat bessere Karten gegenüber Hersteller und Installateur.

Was ist im Gewerbe Pflicht?

Für Unternehmen ist eine PV-Anlage auf dem Betriebsgebäude eine elektrische Anlage im Sinne der DGUV Vorschrift 3. Damit gilt die Pflicht zur wiederkehrenden Prüfung durch eine Elektrofachkraft. Als Richtwert für ortsfeste elektrische Anlagen nennt die DGUV vier Jahre. Der Betrieb legt die Frist aber selbst auf Basis seiner Gefährdungsbeurteilung fest, und bei exponierten Anlagen kann ein kürzeres Intervall sinnvoll sein. Für die Durchführung und Dokumentation der Prüfungen an PV-Anlagen gibt es mit der DIN EN 62446-1 eine eigene Norm.

Für private Anlagen gibt es keine vergleichbare gesetzliche Prüfpflicht. Empfehlenswert ist eine Inspektion trotzdem, und oft verlangt sie der Versicherungsvertrag.

PV-Anlage Wartung: Was bei einer Inspektion geprüft wird

Bereich Prüfpunkte
Module Glasbruch, Verfärbungen, Delamination, Verschmutzung, Verschattung durch gewachsene Bäume
Unterkonstruktion Befestigung, Korrosion, Klemmen, Dachdurchführungen
Verkabelung DC Isolationsschäden, Tierverbiss, Steckverbindungen, Kabelführung und Zugentlastung
Elektrische Messung Isolationswiderstand, Leerlaufspannung und Strom je String, Schutzleiter
Wechselrichter Fehlerspeicher, Lüftung und Kühlung, Verschmutzung, Software-Stand
AC-Seite Leitungsschutz, Fehlerstromschutz, Überspannungsschutz, Zählerschrank
Monitoring Plausibilität der Erträge, Vergleich der Strings, Warnmeldungen
Dokumentation Anlagenplan, Datenblätter, Prüfprotokolle vollständig und aktuell

Thermografie: Fehler sichtbar machen

Eine Wärmebildaufnahme der Module bei guter Sonneneinstrahlung zeigt Hotspots, defekte Zellen oder Bypass-Dioden und überhitzte Verbindungen, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Bei größeren Dachanlagen ist das per Drohne möglich. Thermografie ist nicht bei jeder Inspektion nötig, aber bei auffälligen Ertragswerten oder älteren Anlagen ein sehr aufschlussreiches Werkzeug.

Kennlinienmessung

Mit einer Kennlinienmessung wird die Leistung eines Strings unter realen Bedingungen gemessen und mit den Herstellerangaben verglichen. So lässt sich erkennen, ob Module stärker als erwartet an Leistung verloren haben.

Reinigung: Muss das sein?

Bei ausreichend geneigten Dächern reinigt der Regen die Module in vielen Fällen ausreichend. Anders sieht es bei flach aufgeständerten Anlagen, in der Nähe von Landwirtschaft, Bahnstrecken oder staubigen Betrieben aus, oder wenn sich Vögel das Dach als Lieblingsplatz ausgesucht haben. Hier kann eine Reinigung den Ertrag spürbar verbessern. Wichtig: nur mit geeignetem Werkzeug und ohne aggressive Mittel, damit die Beschichtung der Module keinen Schaden nimmt. Und bitte nicht mit dem Hochdruckreiniger.

Was Sie selbst tun können

  1. Monitoring regelmäßig ansehen: Einmal im Monat die Erträge mit dem Vorjahresmonat vergleichen. Große Abweichungen bei gleichem Wetter sind ein Warnsignal.
  2. Warnmeldungen ernst nehmen: Eine Fehlermeldung des Wechselrichters ist kein Rauschen.
  3. Sichtkontrolle vom Boden aus: Hängende Kabel, verrutschte Module, Nester unter den Modulen.
  4. Wechselrichter freihalten: Nicht zustellen, Lüftungsschlitze sauber halten.
  5. Nicht selbst auf das Dach steigen und nicht an der Gleichstromseite arbeiten. Die Spannung liegt an, sobald Licht auf die Module fällt.

Wie oft sollte eine Inspektion stattfinden?

Für gewerbliche Anlagen richtet sich das Intervall nach der Gefährdungsbeurteilung. Bewährt hat sich eine Kombination: kontinuierliche Überwachung über das Monitoring, eine jährliche Sichtkontrolle und eine umfassende elektrische Prüfung in dem festgelegten Intervall. Nach Unwettern, Sturm oder Hagel lohnt sich zusätzlich eine außerplanmäßige Kontrolle.

Speicher, Wallbox und Co. gleich mitprüfen

Viele Anlagen sind in den letzten Jahren gewachsen: Ein Batteriespeicher kam dazu, eine Wallbox für das Firmenfahrzeug, vielleicht eine Wärmepumpe. Bei der Inspektion sollten diese Komponenten nicht fehlen. Beim Speicher geht es um Aufstellort, Temperatur, Fehlermeldungen und den Zustand der Batterie, bei der Wallbox um Schutzeinrichtungen und Leitungen. Auch die Steuerung, die alles miteinander verbindet, verdient einen Blick: Laden Speicher und Fahrzeug wirklich dann, wenn die Sonne scheint?

Checkliste: Worauf Sie bei einem Wartungsvertrag achten sollten

  • Welche Prüfungen sind enthalten: Sichtkontrolle, elektrische Messung, Thermografie?
  • Wird das Monitoring laufend überwacht, und wer reagiert auf Störungen?
  • Wie schnell kommt jemand bei einem Ausfall?
  • Ist die Prüfung nach DGUV Vorschrift 3 mit Protokoll enthalten?
  • Sind Speicher, Wallbox und Zählerschrank mit abgedeckt?
  • Werden Befunde verständlich dokumentiert, mit Fotos und Handlungsempfehlungen?

Wir helfen Ihnen gerne

Sie möchten Ihre PV-Anlage prüfen lassen oder einen festen Wartungsvertrag abschließen? Elektro-Sorglos inspiziert Ihre Anlage, prüft sie nach DGUV Vorschrift 3, wertet das Monitoring aus und dokumentiert alles so, dass auch Ihre Versicherung zufrieden ist. Rufen Sie uns an: 06131 144928-0.

Herzliche Grüße aus Mainz

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