Digitale Zertifikate mit qualifizierter Signatur: Schluss mit Fälschungen


Ein Zeugnis als PDF, ein Sprachzertifikat als Scan, ein Weiterbildungsnachweis als Foto auf dem Handy: Im Bewerbungsalltag kommen Nachweise heute meist digital an. Und genau das macht es Fälschern leicht. Mit etwas Geschick in der Bildbearbeitung wird aus einer Note eine bessere oder aus einem B1 ein B2. Leidtragende sind alle, die ihre Prüfung ehrlich bestanden haben, und Arbeitgeber, die sich auf Nachweise verlassen müssen. Eine Lösung, die zunehmend diskutiert wird: das digitale Zertifikat mit qualifizierter Signatur oder mit qualifiziertem elektronischem Siegel. Wir erklären, was dahintersteckt.

Warum Papier und PDF allein nicht mehr reichen

Papierzertifikate haben Sicherheitsmerkmale wie Spezialpapier, Hologramme oder Prägungen. Die helfen aber nur, wenn jemand das Original in der Hand hält. In Bewerbungsverfahren, bei Behörden oder Personaldienstleistern wird jedoch fast immer mit Kopien und Scans gearbeitet. Ein einfaches PDF lässt sich verändern, ohne dass man es sieht. Wer die Echtheit prüfen will, muss beim Aussteller nachfragen, und das kostet Zeit, die im Alltag oft fehlt.

Was ist ein digitales Zertifikat mit qualifizierter Signatur?

Die rechtliche Grundlage in der EU ist die eIDAS-Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste. Sie kennt verschiedene Stufen elektronischer Signaturen und Siegel. Für Zertifikate sind vor allem zwei Formen interessant:

Form Wer sie nutzt Was sie beweist
Qualifizierte elektronische Signatur (QES) Eine natürliche Person, z. B. die Leitung einer Einrichtung Wer unterschrieben hat, und dass das Dokument seitdem nicht verändert wurde. Rechtlich der handschriftlichen Unterschrift gleichgestellt.
Qualifiziertes elektronisches Siegel Eine Organisation, z. B. eine Prüfungsstelle oder Hochschule Von welcher Organisation das Dokument stammt und dass es unverändert ist

Beide beruhen auf einem Zertifikat, das ein qualifizierter Vertrauensdiensteanbieter ausstellt, der in der Europäischen Vertrauensliste geführt wird. Für Zertifikate, die eine Einrichtung massenhaft ausstellt, ist das Siegel meist die passendere Form, weil es nicht an eine einzelne Person gebunden ist.

Wie schützt die Signatur vor Fälschungen?

Das Prinzip ist einfach: Beim Signieren wird aus dem Dokument eine Art digitaler Fingerabdruck berechnet und mit dem privaten Schlüssel des Ausstellers verschlüsselt. Ändert jemand danach auch nur ein einziges Zeichen, etwa eine Note oder einen Namen, passt der Fingerabdruck nicht mehr. Das Prüfprogramm meldet dann, dass die Signatur ungültig ist.

  • Integrität: Jede nachträgliche Änderung fällt auf.
  • Herkunft: Es ist eindeutig erkennbar, wer das Dokument ausgestellt hat.
  • Prüfbarkeit ohne Rückfrage: Der Empfänger kann selbst prüfen, ohne den Aussteller zu kontaktieren.

So prüfen Sie ein signiertes Zertifikat

  1. Öffnen Sie die Originaldatei, nicht einen Ausdruck oder Screenshot. Nur die Datei enthält die Signatur.
  2. Gängige PDF-Programme zeigen eine Signaturleiste oder ein Signaturfeld an. Achten Sie auf den Hinweis, ob die Signatur gültig ist und das Dokument seit dem Signieren nicht verändert wurde.
  3. Prüfen Sie, wer signiert hat. Passt der Name zur ausstellenden Einrichtung?
  4. Für eine vertiefte Prüfung stellt die EU-Kommission ein Validierungswerkzeug bereit, das signierte Dokumente gegen die Vertrauensliste prüft.
  5. Vergleichen Sie den Namen auf dem Zertifikat mit dem Ausweis der Person. Die Signatur sagt nämlich nur, dass das Dokument echt ist, nicht, dass es der Person gehört, die es vorlegt.

Die Grenzen

Ehrlich betrachtet ist auch die digitale Signatur kein Allheilmittel. Ein paar Punkte sollten Sie kennen:

  • Wird das signierte PDF ausgedruckt und wieder eingescannt, ist die Signatur weg.
  • Nicht jedes Programm zeigt Signaturen gleich gut an, manche gar nicht.
  • Signaturzertifikate haben eine begrenzte Gültigkeit. Für eine langfristige Prüfbarkeit braucht es zusätzliche Maßnahmen wie Zeitstempel.
  • Die Prüfung, ob die Person auch diejenige ist, die die Prüfung abgelegt hat, bleibt Aufgabe der Prüfungsstelle am Prüfungstag.

Was die Zukunft bringt

Die überarbeitete eIDAS-Verordnung, die im Mai 2024 in Kraft getreten ist, sieht eine Europäische Brieftasche für die digitale Identität vor, die EUDI-Wallet. Die Mitgliedstaaten sollen sie in den kommenden Jahren bereitstellen. In dieser Wallet sollen auch elektronische Nachweise über Eigenschaften einer Person gespeichert werden können, etwa Abschlüsse oder Qualifikationen. Bis das im Alltag ankommt, wird es noch etwas dauern. Die Richtung ist aber klar: weg vom Scan, hin zum prüfbaren digitalen Nachweis.

Tipps für Arbeitgeber und Personalabteilungen

  • Lassen Sie sich bei wichtigen Nachweisen das Original zeigen oder die Originaldatei senden.
  • Prüfen Sie digitale Signaturen, wo vorhanden, statt nur auf das Aussehen zu achten.
  • Wenden Sie sich bei Zweifeln direkt an die ausstellende Stelle.
  • Achten Sie bei Sprachzertifikaten darauf, dass Prüfung und Prüfungsanbieter zu den Anforderungen passen, etwa für die Berufsanerkennung.
  • Dokumentieren Sie im Bewerbungsprozess, welche Nachweise wie geprüft wurden.

Tipps für Zertifikatsinhaber

Auch wer ein Zertifikat erworben hat, kann einiges tun, damit es seinen Wert behält:

  • Bewahren Sie das Original sicher auf, idealerweise in einer Dokumentenmappe, die nicht geknickt wird.
  • Verschicken Sie bei Bewerbungen einen guten, vollständigen Scan und bieten Sie an, das Original vorzulegen.
  • Wenn Sie eine signierte Datei erhalten, speichern Sie genau diese Datei und leiten Sie sie unverändert weiter, nicht als Foto oder Screenshot.
  • Lassen Sie sich niemals auf Angebote ein, Zertifikate „ohne Prüfung“ zu bekommen. Das ist Betrug und kann Aufenthalt, Anerkennung und Arbeitsplatz kosten.

Wir helfen Ihnen gerne

Sie haben Fragen zu telc-Prüfungen und zu den Zertifikaten, die Ihre Bewerberinnen und Bewerber vorlegen? Die VAkademie ist telc-Prüfungszentrum in Mainz und nimmt Deutschprüfungen von A1 bis C2 sowie Prüfungen für Pflegekräfte ab. Wir erklären Ihnen gerne, welche Prüfung wofür gedacht ist. Rufen Sie uns an: 06131 144928-0.

Herzliche Grüße aus Mainz

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