Fotograf werden im KI-Zeitalter: Hat die Fotografie noch Zukunft?


Neulich in unserem Büro: Ein Kollege zeigt auf dem Bildschirm das Porträt eines älteren Winzers, wettergegerbtes Gesicht, Abendlicht, Weinberg im Hintergrund. „Wo habt ihr das fotografiert?“ – „Gar nicht. Das hat eine KI gemacht, in einer Minute.“ Kurze Stille. Genau diese Stille erleben gerade viele, die überlegen, Fotograf zu werden, oder die es seit Jahren sind. Ist Fotografie im KI-Zeitalter noch ein Beruf mit Zukunft? Wir haben eine ehrliche Einschätzung aus Sicht eines Marketingteams, das täglich Bilder einkauft, beauftragt und verwendet.

Was KI-Bildgeneratoren heute können

Seit dem letzten Sommer haben Werkzeuge wie Midjourney, DALL-E 2 und Stable Diffusion einen enormen Sprung gemacht. Man beschreibt in ein paar Sätzen, was man sehen möchte, und bekommt Sekunden später mehrere Bilder. Die neuesten Versionen liefern teilweise fotorealistische Ergebnisse, bei denen man schon zweimal hinschauen muss. Selbst Hände, lange die Schwachstelle der KI, sehen inzwischen oft brauchbar aus. Und gerade erst hat auch Adobe ein eigenes KI-Werkzeug angekündigt, das künftig direkt in die bekannten Kreativprogramme einziehen soll.

Für bestimmte Aufgaben ist das tatsächlich eine Konkurrenz:

  • Symbolbilder ohne konkreten Bezug („Team im Meeting“, „Geschäftsmann mit Tablet“)
  • Hintergründe, Texturen, Illustrationen
  • Moodboards und Entwürfe, um eine Bildidee abzustimmen
  • Fantasie- und Kunstmotive, die man gar nicht fotografieren könnte

Wer bisher hauptsächlich generische Stockfotos produziert hat, sollte sich also tatsächlich Gedanken machen.

Fotograf und KI: Was die Maschine nicht kann

Jetzt kommt das große Aber. Eine KI erzeugt Bilder von etwas, das es nicht gibt. Unternehmen brauchen aber in den meisten Fällen Bilder von etwas, das es gibt:

  • Echte Menschen: die Geschäftsführerin, das Team, die neuen Azubis. Ein KI-Gesicht auf der „Über uns“-Seite wäre schlicht eine Täuschung.
  • Echte Produkte: Die Kunden wollen genau die Maschine, das Möbelstück oder die Torte sehen, die sie kaufen.
  • Echte Orte: Ihr Ladengeschäft, Ihre Werkstatt, Ihr Hotel. Wer sich beim Besuch getäuscht fühlt, kommt nicht wieder.
  • Echte Momente: Hochzeiten, Firmenfeiern, Veranstaltungen, Reportagen. Das Ereignis passiert einmal, und jemand muss dabei sein.
  • Dokumentation: Baufortschritt, Schadensfälle, Nachweise. Hier ist ein generiertes Bild sogar wertlos oder problematisch.

Hinzu kommt etwas, das schwer zu messen ist: Vertrauen. Je mehr künstliche Bilder im Netz kursieren, desto wertvoller wird das nachweislich echte Foto. Wir rechnen damit, dass „echt fotografiert“ für viele Marken zu einem Qualitätsmerkmal wird.

Unser eigener Test

Wir haben es natürlich ausprobiert und versucht, für eine Kundenwebsite ein passendes Bild per KI zu erzeugen: „Handwerker in Arbeitskleidung vor einer Werkstatt in Mainz“. Nach einer halben Stunde und gut zwanzig Varianten hatten wir schöne Bilder, aber keines, das wirklich nach Mainz aussah, keines mit dem richtigen Logo auf der Jacke und keines, auf dem der Kunde sich wiedererkannt hätte. Für einen Blogbeitrag als Symbolbild: prima. Für die Startseite des Betriebs: unbrauchbar. Am Ende war ein Fotograf für einen halben Tag vor Ort die bessere und ehrlichere Lösung.

Die rechtliche Seite: unsicherer Boden

Für Unternehmen, die KI-Bilder einsetzen wollen, ist die Rechtslage noch nicht geklärt. Nach dem deutschen Urheberrecht ist ein Werk eine persönliche geistige Schöpfung eines Menschen. Ob und wann ein rein maschinell erzeugtes Bild geschützt ist, ist umstritten. Für Sie heißt das unter Umständen: Sie können anderen schlecht verbieten, Ihr KI-Bild ebenfalls zu nutzen. Außerdem wird diskutiert, auf welchen Trainingsdaten die Generatoren beruhen und welche Ansprüche Urheber daraus ableiten können. Bei einem beauftragten Fotografen ist dagegen per Vertrag klar geregelt, wer welche Nutzungsrechte hat. Und bei Personenfotos kommen Persönlichkeitsrechte und Datenschutz hinzu, die ein professioneller Fotograf mit Einwilligungen sauber löst.

Lohnt es sich noch, Fotograf zu werden?

Unsere ehrliche Antwort: Ja, aber das Berufsbild verschiebt sich. Wer heute einsteigt, sollte nicht auf Masse setzen, sondern auf das, was die KI nicht ersetzen kann. Ein kleiner Vergleich:

Bereich Risiko durch KI Unsere Einschätzung
Generische Stockfotografie Hoch Preisdruck wird weiter steigen
Produktfotografie Mittel Echte Produkte bleiben gefragt, Freisteller und Hintergründe werden automatisiert
Business-Porträts und Teamfotos Gering Authentizität ist hier das Produkt
Hochzeiten und Events Gering Man muss dabei sein, Vertrauen und Menschenkenntnis zählen
Reportage und Unternehmensdokumentation Gering Echtheit ist Pflicht
Bildbearbeitung Wandel KI wird zum Werkzeug, das Fotografen selbst nutzen

Unsere Tipps für (angehende) Fotografen

  1. Nische finden: Lieber der Ansprechpartner für Handwerksbetriebe in Rheinhessen als „ich fotografiere alles“.
  2. Menschen können: Wer Leute vor der Kamera entspannen kann, hat einen Vorteil, den keine Software hat.
  3. KI als Werkzeug nutzen: Für Retusche, Hintergründe, Ideenskizzen. Wer die Werkzeuge beherrscht, arbeitet schneller.
  4. Dienstleistung statt Datei verkaufen: Beratung, Bildkonzept, Nutzungsrechte, schnelle Lieferung, alles aus einer Hand.
  5. Video mitdenken: Kurze Clips für Social Media und Website werden von Unternehmen immer häufiger gefragt.

Und was heißt das für Unternehmen?

Für Ihr Marketing empfehlen wir eine pragmatische Mischung: KI-Bilder dort, wo es um Stimmung, Illustration oder Platzhalter geht, und echte Fotografie dort, wo Ihr Unternehmen, Ihre Menschen und Ihre Produkte gezeigt werden. Kennzeichnen Sie KI-Bilder lieber offen, als dass ein Kunde es selbst bemerkt. Ein gutes, echtes Teamfoto bringt auf der Website mehr Vertrauen als zehn perfekte Kunstbilder.

Wir helfen Ihnen gerne

Sie überlegen, wie Sie Bilder für Website, Social Media oder Broschüre sinnvoll einsetzen, mit Fotograf, KI oder beidem? Das Marketing-Team der Mittelstandsoptimierer entwickelt mit Ihnen ein Bildkonzept, das zu Ihnen passt. Rufen Sie uns an: 06131 144928-0.

Herzliche Grüße aus Mainz

Teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • TwitThis
  • Print
  • XING