Gasmangel: Notfallpläne für Betriebe


Vor einem Jahr hätte kaum jemand in einem mittelständischen Betrieb über einen Notfallplan für Energie nachgedacht. Gas kam aus der Leitung, Strom aus der Steckdose, Punkt. Seit dem 23. Juni gilt in Deutschland die Alarmstufe des Notfallplans Gas, die zweite von drei Stufen. Russland liefert über die Ostsee-Pipeline nur noch einen Bruchteil der vereinbarten Mengen, und für die kommende Woche ist die jährliche Wartung von Nord Stream 1 angekündigt. Niemand weiß sicher, wie es danach weitergeht. Wir zeigen, wie Sie jetzt in Ruhe einen Notfallplan erstellen, statt im Herbst in Hektik zu geraten.

Was bedeuten die Stufen des Notfallplans Gas?

Stufe Bedeutung Stand 8. Juli 2022
Frühwarnstufe Konkrete Hinweise auf eine mögliche Verschlechterung der Versorgungslage. Krisenteam beobachtet die Lage. ausgerufen am 30. März
Alarmstufe Störung der Versorgung oder außergewöhnlich hohe Nachfrage. Der Markt kann die Lage aber noch selbst bewältigen. ausgerufen am 23. Juni
Notfallstufe Die Versorgung ist erheblich gestört. Der Staat greift ein, die Bundesnetzagentur entscheidet über die Verteilung. nicht ausgerufen

Wichtig für Unternehmen: In der Notfallstufe sind bestimmte Kundengruppen besonders geschützt, insbesondere private Haushalte und wichtige soziale Einrichtungen. Industrie- und größere Gewerbekunden gehören in der Regel nicht dazu und müssten im Ernstfall mit Einschränkungen rechnen. Aber auch kleinere Betriebe sollten sich nicht zu sicher fühlen: Selbst ohne Abschaltung drohen deutlich höhere Kosten.

Notfallplan Energie: in fünf Schritten

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Wofür nutzen Sie überhaupt Gas, und wie viel? Viele Betriebe wissen das gar nicht genau. Typische Einsatzbereiche:

  • Raumheizung von Büros, Werkstätten und Lager
  • Warmwasser
  • Prozesswärme in der Produktion (Trocknen, Härten, Lackieren, Reinigen, Kochen, Backen)
  • Indirekt: Fernwärme, die auf Gas basiert, oder Vorprodukte von Lieferanten, die gasintensiv hergestellt werden

Holen Sie die Verbrauchsdaten der letzten Jahre heraus, zum Beispiel aus den Jahresrechnungen, und ordnen Sie den Verbrauch so gut es geht den Einsatzbereichen zu.

Schritt 2: Prioritäten setzen

Was muss unbedingt weiterlaufen, was kann reduziert werden, was kann im Notfall pausieren? Eine einfache Einteilung in drei Kategorien hilft:

  • Kritisch: ohne diese Anwendung steht der Betrieb oder es drohen Schäden (z. B. Frostschutz, Prozesse mit Anlagenschäden bei Unterbrechung)
  • Wichtig: reduzierbar, aber auf Dauer nötig
  • Verzichtbar: Komfort oder Gewohnheit

Schritt 3: Einsparungen sofort umsetzen

Jede Kilowattstunde, die jetzt nicht verbraucht wird, hilft beim Füllen der Speicher und spart Geld. Schnelle Maßnahmen:

  • Heizung warten lassen und richtig einstellen, Vorlauftemperatur prüfen
  • Raumtemperaturen überprüfen und Nachtabsenkung nutzen
  • Warmwasser in Büros auf das Nötige beschränken
  • Leckagen, offene Tore und schlecht gedämmte Bereiche identifizieren
  • Mitarbeitende einbeziehen: Wer täglich in der Halle steht, weiß, wo die Wärme verloren geht

Schritt 4: Alternativen prüfen

Für kritische Anwendungen sollten Sie prüfen, ob es Alternativen gibt: andere Energieträger, Umstellung von Prozessen, Verlagerung von Produktionsschritten an andere Standorte oder zu Partnern, ein Vorziehen von Aufträgen in den Sommer. Seien Sie dabei realistisch: Elektroheizlüfter sind keine Lösung im großen Stil. Wenn sehr viele Betriebe darauf ausweichen, wird das Stromnetz zum nächsten Problem, und die Stromkosten steigen kräftig.

Schritt 5: Kommunikation vorbereiten

  • Kontakt mit Ihrem Energieversorger aufnehmen: Vertragsbedingungen, Preisanpassungen, Informationswege
  • Kunden und Lieferanten: Wer ist von wem abhängig? Was passiert, wenn ein Zulieferer ausfällt?
  • Mitarbeitende: Wie informieren Sie im Ernstfall? Gibt es Regeln für Homeoffice, Kurzarbeit oder veränderte Arbeitszeiten?

Checkliste Notfallplan Energie

Punkt Verantwortlich Bis wann
Gasverbrauch nach Einsatzbereichen erfasst
Kritische Anwendungen und Mindestbedarf festgelegt
Sofortmaßnahmen zum Einsparen umgesetzt
Alternativen für kritische Prozesse geprüft
Energieverträge und Preisklauseln gesichtet
Abhängigkeiten von Lieferanten bewertet
Kommunikationsplan für Mitarbeitende und Kunden erstellt
Liquidität für steigende Energiekosten geplant

Strom und IT gleich mitdenken

Wenn Sie schon dabei sind, Ihren Betrieb auf Engpässe vorzubereiten, nehmen Sie den Strom gleich mit in den Plan. Was passiert, wenn für einige Stunden kein Strom fließt? Fahren Ihre Server über eine unterbrechungsfreie Stromversorgung sauber herunter? Liegen die Datensicherungen so, dass nichts verloren geht? Funktionieren Telefon und Internet, wenn der Router keinen Strom hat? Gibt es Kühl- oder Lagerware, die bei einem längeren Ausfall verdirbt? Diese Fragen sind unabhängig von der Gaslage sinnvoll und lassen sich meist mit überschaubarem Aufwand beantworten. Ein Probelauf, bei dem Sie die USV einmal bewusst testen, ist dabei Gold wert.

Die Kostenseite nicht vergessen

Selbst wenn kein Gas abgeschaltet wird, werden die Preise viele Betriebe hart treffen. Prüfen Sie, wann Ihr aktueller Vertrag ausläuft und welche Preisanpassungen möglich sind. Planen Sie in Ihrer Liquidität mit deutlich höheren Energiekosten und sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Bank, wenn es eng werden könnte. Ein Notfallplan ist auch ein Finanzplan.

Unser Fazit

Niemand kann heute sagen, wie sich die Gasversorgung im Herbst und Winter entwickelt. Gerade deshalb lohnt sich ein Plan. Die meisten Schritte kosten wenig und helfen in jedem Fall: Sie senken Ihren Verbrauch, verschaffen Ihnen Überblick und machen Ihren Betrieb im Ernstfall handlungsfähig. Nutzen Sie den Sommer. Im Oktober ist es zu spät.

Wir helfen Ihnen gerne

Die Mittelstandsoptimierer unterstützen Sie bei der Bestandsaufnahme Ihres Energieverbrauchs, bei der Priorisierung und beim Aufstellen eines praktischen Notfallplans für Ihren Betrieb. Mehr unter www.mittelstandsoptimierer.de oder telefonisch unter 06131 144928-0.

Herzliche Grüße aus Mainz

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