Mitarbeitende aus der Ukraine: Sprache und Integration im Betrieb


Seit Ende Februar sind viele Menschen aus der Ukraine nach Deutschland geflohen, auch zu uns nach Mainz und ins Umland. Viele von ihnen möchten so schnell wie möglich arbeiten, und viele Betriebe möchten helfen und suchen ohnehin dringend Personal. Die größte Hürde im Alltag ist dabei fast immer dieselbe: die Sprache. In diesem Beitrag sammeln wir, was Arbeitgeber jetzt wissen sollten, von der Arbeitserlaubnis über den Deutschkurs für ukrainische Mitarbeiter bis zur Einarbeitung, wenn die gemeinsame Sprache noch fehlt.

Dürfen Geflüchtete aus der Ukraine arbeiten?

Ja. Die Europäische Union hat Anfang März beschlossen, Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine fliehen, vorübergehenden Schutz zu gewähren. In Deutschland erhalten sie eine Aufenthaltserlaubnis nach § 24 Aufenthaltsgesetz. Damit ist die Aufnahme einer Beschäftigung erlaubt. In der Praxis entscheidend ist, dass im Aufenthaltsdokument bzw. in der vorläufigen Bescheinigung der Ausländerbehörde vermerkt ist, dass eine Erwerbstätigkeit gestattet ist. Lassen Sie sich das Dokument zeigen und legen Sie eine Kopie zur Personalakte.

Weil sich Verfahren und Zuständigkeiten gerade laufend weiterentwickeln, ist der kurze Draht zur örtlichen Ausländerbehörde oder zur Agentur für Arbeit Gold wert. Beide informieren Arbeitgeber auf ihren Websites über den aktuellen Stand.

Sprache: realistisch planen

Viele Ukrainerinnen und Ukrainer sprechen Englisch, manche bereits etwas Deutsch, viele aber auch noch gar nicht. Die meisten sind hoch motiviert. Für Sie als Arbeitgeber heißt das: Einarbeitung muss zunächst mit wenig gemeinsamer Sprache funktionieren, und der Spracherwerb sollte parallel von Anfang an mitgedacht werden.

Als grobe Orientierung hilft der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen:

Niveau Was jemand ungefähr kann Typischer Einsatz im Betrieb
A1 Einfache Sätze, sich vorstellen, Zahlen, Uhrzeiten Einfache Helfertätigkeiten mit Anleitung durch Vorzeigen
A2 Alltägliche Situationen, kurze Gespräche Routinetätigkeiten, einfache Anweisungen verstehen
B1 Hauptpunkte verstehen, sich im Alltag gut verständigen Viele Facharbeits- und Servicetätigkeiten, Teamkommunikation
B2 Komplexere Texte und Fachgespräche Qualifizierte Tätigkeiten mit Kundenkontakt, Dokumentation
C1/C2 Nahezu fließend bis muttersprachlich Anspruchsvolle Tätigkeiten mit viel Schriftverkehr

Deutschkurs für ukrainische Mitarbeiter: Welche Wege gibt es?

  • Integrationskurse: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat die Integrationskurse für Geflüchtete aus der Ukraine geöffnet. Die Kurse sind gefragt, deshalb früh kümmern.
  • Berufsbezogene Sprachkurse: Für Menschen, die bereits arbeiten oder kurz davor stehen, gibt es Angebote mit Fachsprache.
  • Kurse im oder neben dem Betrieb: Manche Arbeitgeber organisieren gemeinsam mit Bildungsträgern Kurse, etwa am frühen Abend oder in Randzeiten der Schicht.
  • Selbstlernen: Apps und Online-Angebote helfen beim Wortschatz, ersetzen aber keinen Kurs.

Unser Tipp: Ermöglichen Sie den Kursbesuch, wo es geht, auch durch flexible Arbeitszeiten. Es zahlt sich doppelt aus, im Betrieb und für die Menschen selbst.

Wozu eine Sprachprüfung?

Ein anerkanntes Sprachzertifikat belegt den Sprachstand verlässlich. Das ist nützlich für Bewerbungen, für die Anerkennung von Berufsabschlüssen, für bestimmte reglementierte Berufe (etwa in der Pflege) und später auch für aufenthaltsrechtliche Fragen. Für Sie als Arbeitgeber schafft ein Zertifikat Klarheit, welche Aufgaben realistisch sind, und für die Mitarbeitenden ist es ein motivierendes Etappenziel.

Einarbeitung, wenn die Sprache noch fehlt

  1. Patenschaft: Eine feste Ansprechperson im Team, idealerweise jemand mit Geduld und vielleicht Russisch-, Ukrainisch- oder Englischkenntnissen.
  2. Zeigen statt erklären: Vormachen, nachmachen lassen, Rückmeldung geben.
  3. Bilder und Symbole: Arbeitsabläufe mit Fotos, Piktogrammen und kurzen Stichworten darstellen.
  4. Übersetzungs-Apps: Für den Alltag hilfreich. Für sicherheitsrelevante Inhalte aber nicht allein verlassen.
  5. Wichtige Dokumente übersetzen lassen: Arbeitsvertrag, Hausordnung und Sicherheitshinweise am besten in einer Sprache, die die Person sicher versteht.
  6. Glossar anlegen: Die 50 wichtigsten Wörter Ihres Betriebs auf einer Seite, zweisprachig.

Arbeitsschutz nicht vergessen

Arbeitgeber müssen Beschäftigte so unterweisen, dass sie die Unterweisung auch verstehen. Bei fehlenden Deutschkenntnissen heißt das: Dolmetscher, übersetzte Unterlagen, Bilder, Vormachen, und am Ende prüfen, ob die wichtigsten Punkte angekommen sind. Lassen Sie sich die Unterweisung wie üblich unterschreiben.

Berufsabschlüsse anerkennen lassen

Unter den Geflüchteten sind viele gut ausgebildete Fachkräfte: Ingenieurinnen, Pflegekräfte, Handwerker, Lehrerinnen. Für viele Tätigkeiten braucht es keine formale Anerkennung, für reglementierte Berufe wie in der Pflege oder Medizin dagegen schon. Ein guter Einstieg ist das Informationsportal der Bundesregierung „Anerkennung in Deutschland“. Dort lässt sich herausfinden, welche Stelle zuständig ist und welche Unterlagen nötig sind. Häufig gehört ein Sprachnachweis auf einem bestimmten Niveau dazu. Es lohnt sich, Zeugnisse und Nachweise früh zu sammeln, auch wenn die Anerkennung erst später ansteht.

Integration ist mehr als Arbeit

Viele Geflüchtete haben neben dem Job große Sorgen: Angehörige in der Ukraine, Wohnungssuche, Kinderbetreuung, Behördengänge. Ein Arbeitgeber, der hier etwas Flexibilität zeigt, etwa bei Terminen, gewinnt loyale Mitarbeitende. Und das Team gewinnt oft mehr, als es gibt: Wer einmal erlebt hat, wie sich eine Kollegin innerhalb weniger Monate vom Übersetzungs-App-Gespräch zur Teamkommunikation vorgearbeitet hat, sieht auch die eigene Arbeit mit anderen Augen.

Checkliste für Arbeitgeber

  • Aufenthaltsdokument mit Erlaubnis zur Erwerbstätigkeit geprüft und Kopie abgelegt
  • Arbeitsvertrag und Sicherheitshinweise in verständlicher Sprache
  • Patin oder Pate im Team benannt
  • Sprachkurs angefragt und Arbeitszeiten darauf abgestimmt
  • Berufsabschlüsse erfasst und Anerkennung angestoßen, wo sinnvoll
  • Ziel für ein Sprachzertifikat gemeinsam festgelegt

Wir helfen Ihnen gerne

Die VAkademie ist telc-Prüfungszentrum in Mainz. Ihre Mitarbeitenden können bei uns anerkannte Deutschprüfungen von A1 bis C2 ablegen, auch speziell für die Pflege. Informationen zu Terminen und Prüfungsformaten finden Sie unter www.vakademie.de, oder Sie rufen uns an unter 06131 144928-0.

Herzliche Grüße aus Mainz

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