WhatsApp vs. Viber vs. Line vs. Voxer vs. ChatOn – der große Vergleichstest 10


Die schlechte Nachricht traf (oder trifft in Kürze) viele von euch überraschend: ,,WhatsApp wird kostenpflichtig!“ Was vielen ein kostenloser Dienst erschien, war in Wirklichkeit nur eine kostenlose Testphase für ein Jahr.

Danach kostet WhatsApp für ein Jahr 0,89 Cent. Viele Nutzer war das nicht bewusst und empfinden es – unabhängig von den überschaubaren Kosten – als Abzocke.

Seit kürzestem sollen nun auch iPhone-Nutzer, die bisher von der Gebührenpflicht verschont blieben, zur Kasse gebeten werden.

Doch nicht nur mit dieser Sache ging WhatsApp mehrfach negativ durch die Schlagzeilen.

Auch mit Sicherheitslücken machte der ansonsten beliebte Dienst von sich reden – so war es mit der Mobilfunknummer des Nutzers und der Seriennummer des Handys möglich, sich in den Account einzuloggen und – vom echten Benutzer unbemerkt – Nachrichten in seinem Namen zu versenden und zu empfangen.

Daneben warnen Datenschützer aus zahlreichen Gründen vor dem Dienst – und in der Praxis finden die Nutzer insbesondere einen Stein des Anstoßes: Außer iPhone-Nutzern kann nämlich niemand abschalten, dass jedem beliebigen (nicht aktiv blockierten) Nutzer angezeigt wird, wann man zuletzt online war. Egal ob man einfach eine gelesene Nachricht stressfrei erst später beantworten möchte, ob die eifersüchtige Freundin Streit vom Zaun bricht, ob Geschäftspartner auf Schritt und Tritt Bescheid wissen oder ob man Angst vor Stalkern hat: vermutlich hat so ziemlich jeder sich schon mal darüber geärgert!

Bei näherem Hinsehen ist der auf den ersten Blick so innovative Dienst auch gar nicht so zeitgemäß: Wer würde beispielsweise in Skype auf die kostenlosen Telefonanrufe via Internet verzichten wollen? Oder sich nur an einem einzigen Computer anmelden wollen?

Inzwischen hat sich einiges auf dem Markt der mobilen Messagingdienste getan. Es gibt zahlreiche Alternativen, die mehr können, als WhatsApp – und zwar kostenlos!

Deshalb haben wir für euch mal das World Wide Web durchforstet, um die kostenlosen Alternativen für WhatsApp zu vergleichen.

Dabei haben wir hohe Anforderungen gestellt, damit sich der Wechsel auch wirklich lohnt. Übrig geblieben sind nur vier Alternativen zu WhatsApp: Viber, Line, Voxer und ChatON.

Wir haben bei unserem Vergleich die gängigsten Anforderungen betrachtet:

–  Wie viel kostet der Dienst?

–  Wie viele Nutzer hat der Dienst schon? Nur einen bei seinen Freunden weit verbreiteten Dienst kann man auch wirklich als vollwertigen Ersatz für SMS nutzen.

–  Welche Funktionen bietet der Dienst: Textnachrichten, Smileys, Bild-/Video-Dateiübertragungen, Standortinformationen, Sprachnachrichten/Voicechat,

WhatsApp

+  WhatsApp liegt klar bei den Nutzerzahlen vorne. Über 100 Millionen täglich aktive Nutzer verzeichnet das Unternehmen. Mit dieser Zahl können andere Dienste allenfalls als registrierte Nutzer aufwarten – und das schwerpunktmäßig auch nicht in Europa.

+ Die App gibt es für alle gängigen Handybetriebssysteme – von Android   über Blackberry, iOS (Apple) und Symbian (frühere Nokia-Handys) bis hin zu Windowsphone.

–  WhatsApp ist – wenn auch gegen eine recht akzeptable Gebühr- kostenpflichtig.

–  Datenschutzprobleme sowie Sicherheitslücken hinterlassen ein schlechtes Bauchgefühl.

–  Dass man den Zeitstempel nicht abschalten kann, wann man zuletzt online war, und dass jeder nicht aktiv blockierte Kontakt – auch Fremde, die man nicht im Telefonbuch hat! – sieht, wenn man online geht, nervt.

–  Was nicht überzeugt, ist besonders die Funktion – kostenlose Anrufe via Internet den diese gehören heute einfach für uns dazu.

Viber

+  Viber ist die erste der WhatsApp-Alternativen und das kostenlos.

+  Diese Funktionen überzeugen: weltweit kostenlos und in guter Qualität telefonieren, gut funktionierende Standortdienste und eine Fülle an Symbolen und Smileys.

+  Die vielfach im Internet beschriebenen „Verzögerungen“ oder „Aussetzer“ konnten wir nur bei schlechten Internetverbindungen reproduzieren. Entweder gehören sie also der Vergangenheit an oder sie traten (wahrscheinlicher) aufgrund von Netz-Problemen auf – bei schlechtem Empfang fallen Aussetzer in einem Anruf halt mehr auf, als bei den reinen Textnachrichten in WhatsApp.

o  Mit über 50 Millionen registrierten Nutzern hat der Dienst zumindest die kritische Menge überschritten. In unserem Testbeispiel hatten von 206 Kontakten im Telefonbuch 61 WhatsApp und zu Beginn der Arbeiten an diesem Beitrag nur 20 Viber. Gute Argumente haben aber 30 weitere Kontakte davon überzeugt, Viber zu nutzen – da man üblicherweise überwiegend mit denselben Personen schreibt, ist das also allenfalls ein Hindernis zu Beginn.

Line

+ Neben WhatsApp ist Line mit den meisten mobilen Betriebssystemen kompatibel – egal ob Android-Handy, Blackberry, iPhone oder Windows-Phone – jeder kann Line nutzen.

+  Line ist eigentlich der komfortabelste und stabilste der getesteten Dienste. Insbesondere freut uns neben den schon fast selbstverständlich integrierten kostenlosen Voip-Telefonaten, dass man mehrere Dateien auf einmal übertragen kann. Man muss also nicht alle Bilder der letzten Party nacheinander einzeln hinzufügen und senden.

+  Line bietet aber noch eine weitere besondere Funktion: Als einziger der getesteten Messenger bietet es die Möglichkeit, nicht nur am Handy, sondern auch an einem Computer online zu gehen – und das gleichzeitig und per QR-Code-Authentifizierung unschlagbar komfortabel.

–  Line ist leider bislang nur im fernöstlichen Raum, insbesondere Japan, verbreitet. Damit steht am Anfang erst mal ein etwas mühsames Freunde-Einladen. Zu Beginn unseres Tests hatte nur ein einziger Kontakt Line.

Voxer

+  Voxer ist kostenlos.

+  Die Funktionspalette ist akzeptabel: Voice-Nachrichten, Chat, Bilder, Standortdaten, um die zentralen Features zu nennen.

+  Hinter Voxer steht ein sehr aktives und von Größen wie Intel und namenhaften Business Angels gut unterstütztes Entwicklerteam. Man darf also auf die weitere Entwicklung gespannt sein und sollte den bisherigen Verbreitungsgrad/Funktionsstand eher als Pilotphase sehen.

o  Voxer ist eher ein Walkie-Talkie, als ein Tool zum Telefonieren. Das bietet aber auch einen kleinen Vorteil: Es ist weniger anfällig für Probleme bei der Internetverbindung, weil bei schwachem Netz Nachrichten einfach minimal verzögert, dafür aber klar und ohne Aussetzer ankommen.

o  Interessante Features stehen noch mit Voxer Business aus: Zentral administrierbare Mitarbeiter- Accounts, GPS-Ortung für Mobiltelefone (beispielsweise im Verlustfall), Team-Kommunikation.

–  Für die Freunde gepflegter Smiley-Battles eine Enttäuschung: Voxer bietet keine grafische Smiley-Unterstützung. Für den Durchschnittsnutzer wird das aber sicher verkraftbar sein 😉

–  Wenn man im aktiven Chat eine Voice-Nachricht erhält, wird diese direkt abgespielt – und zwar über den Lautsprecher. Was nun mal Wesen  eines Walkie Talkies ist, mag in der Praxis beispielsweise im Bus je nach Inhalt der Nachricht auch mal peinlich sein…

–  Es gibt derzeit noch wenig Nutzer. In unserem Fall nutzte  kein einziger Kontakt bisher Voxer.

Achtung: Einige Nutzer berichten davon, dass die Einladen-Funktion über (kostenpflichtige) SMS läuft. Eine entsprechende Warnung bei der Nutzung der Funktion gibt es nicht. Wir können dies bislang weder bestätigen noch verneinen.

ChatOn

+  Die Nutzung von ChatOn ist sowohl auf dem Smartphone als auch auf dem Computer möglich. Insgesamt können bis zu fünf Endgeräte synchronisiert werden. Das ist ein großer Pluspunkt bei der Flexibilität der Nutzung.

+  Die App von Samsung ist das mit Abstand „durch-designteste“ Programm und bietet zahlreiche Möglichkeiten von einer individuellen Gestaltung des Hintergrundes bis hin zu gestalteten Grußbotschaften für spezielle Anlässe.

+  Besondere Features sind reichlich vorhanden – insbesondere seit der neuesten Version, die seit Januar 2013 erschienen ist: Bilder-, Video- und Dateiübertragung, Spielereien wie animierte und/ oder selbstgezeichnete Grafiken, Standort-und Kalender-sharing.

+  ChatOn ist seit Oktober 2011 auf dem Markt, also recht ausgereift. Samsung hat eigentlich die Marktmacht, viele Nutzer zu erreichen. In unserem Fall waren es allerdings erstaunlicherweise nur drei.

+  ChatOn ist kostenlos.

+  ChatOn ist in über 60 Sprachen verfügbar und nicht nur auf Samsung-Endgeräte beschränkt.

+  In dem Samsung-Programm wird Wert auf Datenschutz gelegt – weder die letzte Online-Zeit wird angezeigt noch bestehen die typischen WhatsApp-Sicherheitslücken.

–  Wermutstropfen dabei ist, dass es aber auch keine Zustellnachrichten mehr gibt. An sich auch einem ehrgeizigen Datenschutzkonzept geschuldet, hätte diese Funktion nicht unbedingt unter den Tisch fallen müssen, denn sie ist eigentlich allgemein unter den Nutzern akzeptiert.

–  Die Nutzung von ChatOn ist durch die oben beschriebene Flexibilität (gleichzeitige Computer- und Smartphone-Nutzung) für manche Nutzer etwas verwirrend, ist wohl aber gegenüber der Version, über die es zahlreiche Klagen im Netz gibt, verändert worden.

 

In der folgenden Tabelle haben wir euch nochmals die Details zusammengestellt:

Anbieter Kosten Nutzer Funktionen Sonstiges/ Betriebssystem
WhatsApp – 0,89 €/Jahr über 100 Millionen tägliche Nutzer – Textnachrichten- Fotos/Bilder- Symbole-Standortinformationen- Sprachnachrichten

– Videos

Apple iOS, Android, BlackBerry OS, Symbian, Windows Phone 7 & 8 und Meego
Viber – kostenlos Über 50 Millionen registrierte Nutzer – Telefonieren weltweit möglich- Voraussetzung für den Telefondienst ist ein Internetanschluss- 100% Sprachqualität beim Telefonieren- Textnachrichten  iOS 4.3 und höher,Android,Windows Phoneab 7.5 Mango
Line -kostenlos Über 110 Millionen registrierte Nutzer – Fotos (Besonderheit: Mehrere Bilder können gleichzeitig versendet werden)- Textnachrichten- Standortinformationen- Symbole Android, iOS, BlackBerry, Windows Phone, Windows und  für Mac OSApp auch als Desktopversion unabhängig vom Smartphone zu nutzen.
Voxer – kostenlos Nicht bekannt – Textnachrichten- Bilder- Videos- Sprachnachrichten Android, iOS 2.2 oder höher
ChatON – kostenlos Nicht bekannt – Textnachrichten- Gruppennachrichten- Bilder- Videos- kleine Animationen

– Nachrichten auch über den Desktop abschicken und lesen

 

Android, iOS, Blackberry , bada , Windows und für Mac OsApp auch als Desktopversion unabhängig vom Smartphone zu nutzen.

 

Nachdem wir uns für diesen Blogeintrag so intensiv mit den Programmen befasst haben, sind wir recht zwiegespalten:

Einerseits hat WhatsApp klar die weiteste Verbreitung in Europa. Damit hören die Vorteile aber eigentlich auch schon auf.

Dem steht gegenüber, dass uns die Sicherheitslücken der Vergangenheit in Verbindung mit den überzeugenderen Leistungen der Alternativen verunsichert haben.

Letztlich sind wir zu Viber gewechselt und behalten insbesondere ChatOn im Blick.

 

Unser Tipp:

Einigt euch mit euren Kontakten auf eine kostenlose Plattform – oder nutzt einfach zwei. Damit habt ihr alle Funktionen und euch fehlt kein Kontakt, denn wer lädt sich nicht auf Empfehlung eines Freundes hin eine gute kostenlose App?

 

Jetzt interessiert uns eure Meinung! Wir würden gerne von euch wissen, ob ihr euch gegen WhatsApp entschieden habt und nun eine andere App nutzt oder weiterhin wie gewohnt per WhatsApp Nachrichten verschickt.

Auf eure Kommentare und Diskussion freuen wir uns hier im Blog+ auch auf unserer Facebook-Seite unter:

https://www.facebook.com/RheinMainAktiv

 

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10 Gedanken zu “WhatsApp vs. Viber vs. Line vs. Voxer vs. ChatOn – der große Vergleichstest

  • BrollyLSSJ

    Vielen Dank für den Vergleich. Laut Tabelle und Beschreibung würde ich aber behaupten, dass LINE besser als Viber ist. Ist da der einzige Grund, dass Viber mehr von anderen genutzt werden oder gab es noch weitere Punkte, wieso sich fuer Viber entschieden wurde?

    Ich frage generell, da ich aktuell LINE als Alternative zu Whatsapp teste und Viber nicht kannte.

    • admin Beitragsautor

      Der Hauptgrund ist in der Tat für uns gewesen, dass es mehr Leute nutzen. Wenn man sich aber im Freundeskreis gerade nach einem gemeinsamen neuen Produkt umschaut, ist Line vermutlich noch etwas spannender, weil die Telefoniefunktion unserem subjektiven Empfinden nach etwas besser umgesetzt ist und auch die Möglichkeit, es auf dem PC zu verwenden ein klarer Pluspunkt ist.

      Wollt ihr auch telefonieren? Braucht ihr einen Gruppenchat?

      Eventuell könntet ihr auch mal ChatOn testen. Wir könnten uns vorstellen, dass dort die künftige Weiterentwicklung sehr interessant verläuft.

      Wir sind gespannt, wie ihr euch entscheidet! Ihr könnt ja gerne mal berichten 🙂

  • Alfredo

    Hallo
    Danke für den guten Test. Leider habe ich eine Information vermisst.
    Es geht mir vor allem darum mit meinen Freunden eine Gruppe zu bilden und Gruppenchats zu machen.
    Dazu habt ihr leider nichts geschrieben.
    Hier was ich weiss:
    Whatsapp: Max. 50 Kontakte, Max. 50 Gruppen. Nur der Gründer kann neue Mitglieder dazufügen!!! 🙁
    Viber: keine Ahnung wieviele TN gehen. bis jetzt keine Info gefunden. +jeder TN kann neue Mitglider hinzufügen
    Die andern Apps kannte ich bis heute noch nicht und werde sie mir nun anschauen…

    Liebe Grüsse
    Alfredo

  • admin Beitragsautor

    Wir haben nun mit Viber gesprochen:

    – Man kann 40 Gruppen-Mitglieder in einer Gruppe einladen
    – Jedes Gruppenmitglied kann eigenständig neue Teilnehmer hinzufügen
    – Es gibt keine Begrenzung für Gruppen

  • arachnophobia

    Ergänzung und absolutes +++ für Viber im Vgl. zu WhatsApp:
    Viber gibts auch für den stationären PC (ähnlich Skype)
    Am PC geschriebene „Messages“ kann man auch im Gesprächsverlauf der Smartphone-App lesen, sofortige Synchronisierung ,
    Smartphone-App und PC laufen problemlos zeitgleich parallel

  • Karl Heinz Ahrens

    Hallo zusammen,
    ich versuche mich gerade an chat on. bei Android, anscheinend egal wie alt, gibt es die Sprachnachrichtfunktion.
    Ich selbst benutze ein HTC 8X dort kann ich diese Funktion nicht finden/aktivieren. Im Netz habe ich keine weiteren Hinweise gefunden.
    Könnt ihr mir diesbezüglich weiterhelfen?

    Gruß

    Karl Heinz

  • qp

    Zu Whatsapp sollte man ergänzen das jetzt Facebook gehört, was für mich ein DICKES Minus ist.

    Bei Viber sollten einige Betriebssysteme ergänzt werden.